Guillermo L Arboleda , osb
Abt des Klosters Santa Maria de la Epifanía
Kolumbien

Bemerkungen zur Klostergemeinschaft in Lateinamerika und der Karibik

PGuillermoDie Jubiläumsfeier der AIM ist eine willkommene Gelegenheit zur Rückbesinnung und zur Danksagung. Wir sollten Halleluja singen für die Hilfe, die uns unser Herr durch diese benediktinische Konföderation, zu der auch unsere zisterziensischen Brüder und Schwester gehören, zum Wohl aller Klostergemeinschaften auf der ganzen Welt gewährt. Wenn auch dieser Zusammenschluss ursprünglich eine Art Missionsstelle war, die „eine Hilfe zu Klostergründungen“ gab, um sich in der Folge zunächst als „Aide Inter Monastères, dann als „Alliance Inter Monastères“ zu definieren, kann man auf Grund dieser Entwicklung versichern, dass die AIM ein besonderer Kanal der Vorsehung des Herrn gewesen ist zum Wohl aller Klöster der benediktinischen und zisterziensischen Kongregationen. Sie hat ein weltweites Gefühl für Klostergemeinschaft gefördert, und zwar nicht nur für die Kommunitäten, für die sie geschaffen wurde.

Dies ist es, was mir spontan zu dem übergreifenden Thema dieses Festtages „Von der Hilfe zu einer Allianz…“ in den Sinn kommt. Wenn wir eine Rückbesinnung machen und zugleich Dank sagen, geschieht das mit dem Wunsch, der Eingebung des Geistes Gottes treu zu bleiben. Daher stelle ich hier die Frage nach dem Platz, den die AIM innerhalb unserer Konföderation einnimmt.

Das Sekretariat der AIM besteht als Ansprechpartner der einzelnen Klostergemeinschaften; es pflegt und fördert das Gemeinschaftsgefühl untereinander mittels gezielter konkreter Hilfen für die Klöster, die sie am dringendsten benötigen. Wir Mönche und Schwestern Lateinamerikas und der Karibik sind Teil der benediktinischen und zisterziensischen Kommunitäten und haben während der vergangenen 50 Jahre einen langen Weg der Gemeinsamkeit zurückgelegt und uns dabei immer auf die Unterstützung der AIM verlassen können. Diese ist ihrerseits in ihrem Selbstverständnis gereift, um sich heute als „Alliance Inter Monastères“ zu verstehen, im engen Austausch mit den Klöstern nicht nur unseres Kontinents, sondern mit den Klöstern weltweit.

Ich bin zu dieser Jubiläumsfeier eingeladen worden, um über das Klosterleben in Südamerika und der Karibik zu sprechen und möchte als Sprecher aller Mönche und Schwestern dieser Region unseren großen Dank zum Ausdruck bringen. Ich danke Gott und den Brüdern und Schwestern, die durch die AIM das Klosterleben in dieser Region begleitet und gestärkt haben.

Ich weiß jedoch nicht, ob ich mich mit meinen Ausführungen als Wortführer aller fühlen kann; wahrscheinlich ist das nicht der Fall, denn die Einschätzung einer einzelnen Person kann unmöglich die Gefühle so zahlreicher und unterschiedlicher Klostergemeinschaften wiedergeben. Damit meine Worte etwas mehr Objektivität aufweisen, habe ich die Vorsitzenden der drei Klosterregionen und einzelne Mönche und Schwestern zu ihrer Meinung zur aktuellen Lage unserer Kommunitäten befragt.

Wie der Titel meines Vortrags anzeigt, gebe ich nur einige „Bemerkungen“ zu der Gemeinschaft der Klöster Lateinamerikas und der Karibik wieder, die die AIM in den letzten 50 Jahren begleitet hat. Mein Beitrag hat nicht den Wert eines wissenschaftlichen Vortrags, und noch weniger einer Statistik. Ich werde nur einige besonders bedeutsame Punkte auf dieser langen Wegstrecke markieren, den die Allianz in Lateinamerika durchlaufen hat, denn es geht mir bei dieser Rückbesinnung vor allem um den Dank.

GESTERN

Es an erster Stelle wichtig, die drei Gruppierungen vorzustellen, die die verschiedenen benediktinischen und zisterziensischen Klostergemeinschaften in Lateinamerika und in der Karibik zusammenfassen: SUCRO, CIMBRA und ABECCA. Ein kurzer Blick auf ihre Anfänge erlaubt uns, den Prozess des Miteinanders einzuschätzen.

SUCRO, die „KONFERENZ DER KLOSTERGEMEINSCHAFTEN DER SÜDLICHEN HEMISPHÄRE“, entstand im Jahr 1966. Der Pater Santiago Veronesi, Prior des Klosters Christo Rey, in Tucamán (Argentinien), hatte alle Oberen der Benediktiner- und Zisterzienserklöster in Argentinien, Chile und Uruguay eingeladen, um die neuen Wege zu bedenken, die das Konzil für das Klosterleben eröffnet hatte. Die Klosteroberen, die sich vom 3. Bis 5. März jenes Jahres im Kloster Santa Maria de los Toldos versammelten, einigten sich auch darauf, eine Form der Gemeinsamkeit und des Austauschs zwischen den benediktinischen und zisterziensischen Kommunitäten zu finden. Es ist bedeutsam, dass sofort jene Spannung zwischen Autonomie und Gemeinsamkeit auftrat, die in der Klostertradition so häufig zu beobachten ist, da man sich für „eine Union einsetzt, in der jedes Kloster seine Freiheit bewahren will, aber man doch alle individuellen Bemühungen zu einem gemeinsamen Ideal zusammenfassen möchte“.

PGuillermo2Die Chronik dieser Zusammenkunft lässt erkennen, dass die AIM noch ziemlich unbekannt war, da man über die Möglichkeit diskutierte, sich zu einer eigenen Konföderation zusammenzuschließen. In dieser Diskussion fassten einige der Anwesenden zuversichtlich die Möglichkeit ins Auge, sich mit der AIM zu verbinden, während andere „sich eher zurückhaltend zeigten, da sie befürchteten, an eine ferne Autorität gebunden zu sein, der unsere spezifischen Probleme –unvergleichbar mit denen Afrikas – eher unbekannt waren und deren Zuständigkeit für eine Einmischung in unsere internen Probleme juristisch ungeklärt war“.

Auf der zweiten Versammlung der Oberen, die im Kloster Christo Rey in Siambón (Argentinien) vom 20. bis 24. Juni 1967 in Gegenwart eines Vertreters der AIM, des Paters Pablo Gordan, OSB, stattfand, rief man auf Anraten eben dieses Paters die „Conférence des supérieurs monastiques du Cône Sud“ ins Leben. Und bei der vierten Zusammenkunft, die vom 17. bis zum 21. November 1969 im Kloster der Santíssima Trinidad de las Condes in Chile stattfand, räumte man den Delegierten, die die Oberen begleiteten, nicht nur ein volles Stimmrecht ein, so dass die Konferenz nicht mehr ausschließlich aus Klosteroberen bestand, sondern man wählte auch die Bezeichnung „Conférence des communautés monastiques du Cône Sud, die bis heute beibehalten wurde.

CINBRA, die CONFERENCE D’ECHANGE MONASTIQUE DU BRESIL, die Konferenz zum Austausch unter den brasilianischen Klöstern, wurde im Jahr 1967 anlässlich der „Rencontre de Morumbi“, von der später die Rede sein wird, ins Leben gerufen. Dom Basilio Penido, OSB, hat ihre großen Anfangsschwierigkeiten aufgezeichnet, denn auf der Konferenz von Brasilien war es unklar, welche Richtung angesichts der vom Konzil angerechten größeren Gemeinsamkeit unter den Klöstern zu wählen war. Einige Konferenzteilnehmer zeigten sich misstrauisch den vom Konzil angeregten Veränderungen gegenüber. „Sie standen besonders den zahlreichen Versammlungen zweifelnd gegenüber, die in jener Zeit ihren Anfang nahmen, und fürchten, dass diese zu Veränderungen führten. Und auf dem Kongress der Äbte, der im Jahr1967 unmittelbar auf die „Rencontre de Morumbi“ folgte, erlebte die brasilianische Delegation ihre erste große Krise und wäre dem Sturm fast zum Opfer gefallen. Schließlich ist es aber doch gelungen, die CIMBRA zu konsolidieren. „Einige führende Klosteroberen Brasiliens misstrauten der Vereinigung, die man gründen wollte. Sie erklärten mit großer Ehrlichkeit, dass diese Zusammenkünfte zur Bildung einer Dachorganisation nicht nur unnütz seien, sondern auch das Prinzip der Klosterautonomie in Frage stellten, zumindest aber schwächten, das für den benediktinischen Geist so sehr charakteristisch sei“.

Nach vielen Spannungen und Diskussionen gelang doch die Konstitution der CIMBRA, die angesichts der geäußerten Vorbehalte ursprünglich die Bezeichnung „Kommission“ trug und erst im Jahr 1977 die heutige Bezeichnung erhielt.

ABECCA, ASSOCIATION BENEDICTINE ET CISTERCIENNE DES CARAÏBES ET DES ANDES, die Vereinigung der benediktinischen und zisterziensischen Klöster der Karibik und der Anden, wurde als letzte der drei Organisationen gegründet. Die Aufzeichnungen des Père Jesús María Sasía, OSB, die den Zeitraum von 1975 bis zum Jahr 2000 umfassen, geben das Datum des 22. Juli 1976 als den Tag der offiziellen Gründungsversammlung im Kloster Tibatí in Bogotá (Kolumbien) an. Die Statuten der ABECCA wurden auf dieser Versammlung gebilligt. Dieses Datum war der Endpunkt einer langen Entwicklung, die zur gleichen Zeit wie die SURCO und die CIMBRA begonnen hatte. Bei der Beschreibung der Anfänge  der UMLA weist Dom Basilio Penido auf die Gegenwart des Priors Plácido Reitmeier des Klosters Tepeyac in Mexiko auf der Versammlung der Äbte im Jahr 1967 hin. Dieser war auf sämtlichen lateinamerikanischen Versammlungen zugegen gewesen und brachte die „Union Bénédictine des Caraïbes“ auf den Weg. Auf der zweiten lateinamerikanischen Klosterversammlung, die in demselben Kloster Tibatí stattfand und von den Kommnitäten Mexikos und Kolumbiens organisiert worden war, bildete sich das Projekt eines Verbundes der Klöster der Karibik und der Anden heraus. Ursprünglich sollte dieser Verbund noch einen größeren Rahmen bekommen, denn man sprach sogar von der Bildung einer Kongregation. Obwohl man über Jahre bei allen Zusammenkünften dieses Verbundes die Möglichkeit der Bildung einer eigenständigen Kongregation ins Auge fasste, ist diese jedoch niemals gebildet worden. Vielmehr hat man das Erstarken der ABECA erlebt, die seit ihrer Gründung die Benediktiner- und Zisterzienserklöster der ganzen Region einschließt. Sie hat erst im Jahr 1993 anlässlich ihrer 7. Tagung in Puerto Rico das „C“ in ihre Bezeichnung aufgenommen, um den Einschluss der Zisterzienser angemessen zu verdeutlichen.

Die drei großen Klosterverbände haben seit dem Anfang ihres Bestehens regelmäßig Treffen und Versammlungen untereinander organisiert, die eine gute Beteiligung gefunden haben, aber, so kann man wohl sagen, mit stärkerer Dynamik in den Einflusszonen der SUCRO und der CIMBRA, die  größere Homogenität aufweisen  und sich kulturell gesehen näher stehen. In der Einflusszone der ABECCA haben sich gewisse Schwierigkeiten ergeben, eine solche Regelmäßigkeit und eine ebenso große Beteiligung an den Zusammenkünften zu erreichen. Dies ist auch durchaus erklärlich angesichts der größeren geographischen Ausdehnung dieser Vereinigung und ihrer kulturellen und sprachlichen Vielfalt (Spanisch, Englisch, Französisch). Diese Situation hat jedoch auch einige anders geartete Initiativen hervorgerufen, die sich auf dem Weg zur Gemeinsamkeit als hilfreich erwiesen haben. So gibt es zum Beispiel in Mexiko die UBC (Union Bénédictine et Cistercienne), die sich früher UBM (Union bénédictine mexicaine) nannte und die regelmäßige Aktivitäten im Feld der Weiterbildung veranstaltet. In den vergangenen Jahren haben sich haben sich auch einige Zusammenkünfte in der bolivarischen  Zone sowie auf nationaler Ebene in  Kolumbien und anderen Ländern ergeben.

Zum Abschluss des dritten Treffens der lateinamerikanischen Ordensleute in Buenos Aires im Jahr 1978 wurde auf Vorschlag Dom Basilio Penidos die Zusammenlegung der drei getrennten Organisationen beschlossen; und so kam die UMLA (Union Monastique Latino-Americaine) ins Leben, deren Präsidentschaft im Vierjahresturnus zwischen den Vorsitzenden der drei Vereinigungen wechselt. Es ist u.a. Aufgabe der Präsidenten, die Rencontre Monastique Latino-Americaine (ELMA) zu organisieren und einzuberufen, die ab dem Jahr 1978 im Vierjahresrhythmus stattfindet.

Schon auf dem Äbtekongress im Jahr 1966, wo die Existenz des Sekretariats der AIM begrüßt wurde, zeigten sich mehrere Obere, die zum ersten Mal zusammenkamen und von den Nachrichten von dem panamerikanischen Treffen in Bouaké (Elfenbeinküste) im Jahr 1964 ermutigt waren, daran interessiert, das Gleiche in Lateinamerika zu versuchen, und riefen eine kleine Kommission aus Mitgliedern verschiedener Klöster ins Leben. Diese Kommission sollte den Dialog und den Austausch zwischen den einzelnen Klöstern fördern.  Sie hat auch die Organisation eines Treffens von lateinamerikanischen Ordensleuten in Brasilien vorbereitet. Dieses Treffen fand in der Zeit vom 31. August bis zum 5. September im Jahr 1967 in São Paulo im Gästehaus des Klosters São Geraldo statt und wird in der Geschichte der ULMA unter der Bezeichnung „La Rencontre de Morumbi“ geführt. Diese Zusammenkunft wird nicht als erste ELMA aufgeführt, weil die Teilnehmer mehrheitlich aus Brasilien kamen und  nur 7 Teilnehmer aus den anderen lateinamerikanischen Ländern anwesend waren. Andererseits war das Treffen sehr wohl das erste Treffen der CIMBRA und eine Art Vorbereitung auf die künftigen ELMA-Treffen. „La Rencontre de Morumbi“ war nach den Worten Dom Basilio Penidas „entscheidend für das lateinamerikanische Klosterleben“.

Auf dem Äbtekongress in Rom im Jahr 1970 regte der ABT de Floris, der der Präsident der AIM war, Zusammenkünfte von afrikanischen und asiatischen Klöstern an, die sehr bald stattfinden sollten. Auf einer der nachfolgenden Sitzungen stellte Dom Basilio Penido, der damals Abt in Olinda  (Brasilien) war, die Frage, wann das Treffen der lateinamerikanischen Klostergemeinschaften stattfinde könne. Dieser Appell wurde allgemein begrüßt, besonders seitens der lateinamerikanischen Oberen, und unmittelbar von dem Abt Primas Rembert Weakland unterstützt, der seine Anwesenheit auf einem solchen Treffen zusagte und seiner Hoffnung Ausdruck gab, dass dieses recht bald stattfinden werde. Noch auf demselben Kongress entschieden die lateinamerikanischen Oberen, das Treffen solle im Jahr 1972 in Rio de Janeiro stattfinden. In der Tat fand die erste ELMA vom 22. bis 30. Juli jenes Jahres dort statt.

Der Zeitpunkt, an den ich gerade erinnert habe, war von besonderer Bedeutung in der Geschichte der Beziehungen der lateinamerikanischen Klostergemeinschaften zu der AIM, weil sich jetzt die ersten Versuche, Wege zur Zusammenarbeit zwischen Klostergemeinschaften zu finden,  mit den Bemühungen des jungen Sekretariats der Aim kreuzten, Hilfe für Klostergründungen in Afrika und Asien zu leisten. Denn die AIM zeigte sich auch zuständig für die südamerikanischen Klöster.

Die Zusammenarbeit zwischen diesen Klöstern ist durch die Treffen zwischen den einzelnen Kommunitäten der jeweiligen Region und durch die Zusammenkünfte der ELMA intensiviert worden. Ich werde mich nachfolgend auf Letztere konzentrieren und einige „Bemerkungen“ zu dem Weg zur Gemeinsamkeit machen. Ich betone, dass die AIM diesen Weg ohne Unterbrechung begleitet und unterstützt hat.

In dem Protokoll der 5. ELMA, die im Jahr 1986 in Mexiko stattfand, versichert der Père Martin de Elizalde, OSB, ehemaliger Abt von Luján, heute Bischof von 9 de Julio (?) in Argentinien: „Die Treffen der lateinamerikanischen Klostergemeinschaften sind inzwischen zu einem festen Bestandteil unseres gemeinschaftlichen Lebens geworden. Schon auf dem ersten Treffen im Jahr 1972 in Rio de Janeiro stellte sich die Frage nach der Einheit einer Suche, die unterschiedliche Formen annahm, aber gleichen Hoffnungen und Bestrebungen galt […]. Diese Treffen wandeln sich mehr und mehr zu einem breiten Forum dank der Beteiligung des Generalabtes der benediktinischen Konföderation und der Gegenwart einiger Oberer und Oberinnen von Gründungshäusern in Europa und Nordamerika.“

Vom Geist des Herrn inspiriert, hat sich in der Folge des Zweiten Vaticanum ein neues Bewusstsein von Kirche ergeben. Die Mönche und Schwestern auf dem südlichen Kontinent fühlen sich aufgerufen, nach Wegen zur Gemeinsamkeit untereinander und mit der Ortskirche zu suchen. Bereits auf der ersten ELMA im Jahr 1972 in Rio de Janeiro haben alle Teilnehmer die Erfahrung der Diversität gemacht. Zu verschiedenen Kongregationen gehörend, die auf europäische oder nordamerikanische Initiativen zurückgingen (die jungen Kongregationen der ABECCA und der SUCRO neben den traditionsreichen brasilianischen Kongregationen) wussten die Mönche und Schwestern zwar, was Pluralismus und Diversität in der Theorie bedeuteten: Aber sie erfuhren etwas ganz anderes, als sie sich einander gegenübertraten: Schwestern mit ihren traditionellen Hauben, Mönche im bunten Mini-Habit, ehrwürdige Äbte in vollem Ornat mit blitzenden Brustkreuzen und Schwestern in ziviler Kleidung, einschließlich  Ohrringen. Dies war in der Tat ein Treffen der Diversität: Männer und Frauen, kontemplative und weltverbundene Klostergemeinschafte, politisch engagierte Ordensleute und solche, die jedes Engagement ablehnten, Jung neben Alt, kleine neben großen Kommunitäten. Am Ende des ersten südamerikanischen Treffens war man sich der Schwierigkeiten bewusst geworden, mehr noch: Man sah es als unmöglich an, zu Schlüssen zu gelangen, die aus den unterschiedlichen Berichten und Beiträgen zu ziehen waren. Dies löste die tröstende Feststellung des Abt Primas aus: „Uns armen Benediktinern scheint es fast unmöglich zu sein, zu gemeinsamen Beschlüssen zu kommen. Dieser Pluralismus ist aber auch ein Reichtum. Es ist doch wunderbar, beieinander zu sitzen und Probleme gemeinsam zu diskutieren, auch wenn man zu keiner konkreten Lösung kommt.“

Dier ersten Versammlungen der EMLA wurden besonders intensiv frequentiert, einerseits wegen der Neuheit dieses Ereignisses in der Klosterwelt, andererseits wegen der Aufbruchsstimmung, die im Anschluss an die zweite allgemeine Bischofskonferenz in Medellin auf dem ganzen Kontinent zu spüren war. Die Meinung der Bischöfe zur Rolle „der Kirche bei der gegenwärtigen Umgestaltung Lateinamerikas im Licht des Konzils“ bot mit ihren verschiedenen Optionen einen zusätzlichen Schub des Hl. Geistes, dessen Auswirkungen besonders bei den Ordensleuten zu spüren waren.

Die Thematik der Zusammenkünfte spiegelt das Bemühen der Klosterwelt, in der „heutigen“ Situation des südamerikanischen Kontinents eine Rolle zu spielen. Geht man die Themenliste durch, stellt man auch den Geisteszustand der Ordensleute fest, die begierig waren, die Herausforderungen anzunehmen, die ihnen von dem Konzil und der Konferenz von Medellin gestellt worden waren. Daher schienen sie keinen einzigen Aspekt ihrer eigenen Lebensform beiseite lassen zu wollen, ohne ihn im Licht der politischen und sozialen Lage Lateinamerikas geprüft zu haben. Dabei schenkten sie ihrer Einbindung in die Ortskirche und ihrem Verhältnis zu den Armen besondere Aufmerksamkeit.

PGuillermo3Die Reflexion über das Klosterleben in der heutigen Lage des Kontinents stellte auch schmerzliche Fragen zu dem Selbstverständnis der Mönche und Schwestern und zu ihrem Beitrag zur Befreiungstheologie. In allen diesen Debatten war der oben erwähnte Pluralismus der Meinungen zu spüren. Und wie ebenfalls bereits erwähnt, liefen die Bemühungen um konkrete Ergebnisse meistens ins Leere. Dennoch ist nicht zu bezweifeln, dass die Konfrontation der unterschiedlichen Meinungen zum Engagement des Klosterlebens in der modernen Welt und zu der Aufgabe der Mönche in der Kirche sich als wirksamer Weg erwiesen hat, um die vielfältige und reiche Klostertradition des benediktinischen und zisterziensischen Lebens kennen und schätzen zu lernen und Gemeinsamkeit als Diversität zu erfahren.

Bei der zweiten EMLA in Bogotá im Jahr 1975 versicherte der Abt Primas Weakland in seinem Eröffnungswort, man sei innerhalb der Konföderation bezüglich des Selbstverständnisses der Ordensleute heute weniger besorgt; man spüre bereits die Ermüdung bei der „Innenschau“, zu der die Dringlichkeit des aggiornamento Anlass gegeben habe. Nach der zwischenzeitlich überwundenen Krise sei man sich gewiss, dass das Klosterleben innerhalb der Kirche fortbestehen werde und die Zukunftsfrage darin bestehe, welchen Beitrag die Klöster für die Kirche leisten könnten. Er gab selbst die Antwort: von der kenosis zur koinonia. Trotz allem sei die Suche nach einer Antwort auf die Fragen nach dem Platz des Klosterlebens in der Kirche und der spezifischen Lebensform der Benediktiner in der südamerikanischen Kirche weiterhin von größter Aktualität.

Zu diesem Thema ist es lohnenswert, auch die Eindrücke des Abt Primas Dom Victor Damertz zu zitieren. In seinem Vortrag „Die Präsenz der Benediktiner in der Dritten Welt“, den er vor den versammelten Äbten Nordamerikas in S. Vincent im Juni 1980 gehalten hat, sagte Dom Damertz im Hinblick auf  das lateinamerikanische Klosterleben: „Auch die Klöster Lateinamerikas sind von den furchtbaren Spannungen erschüttert worden, die unser Kontinent leider kennt. Sie sehen sich mit der Armut konfrontiert oder genauer: mit dem Kontrast zwischen Armen und Reichen, der die großen Spannungen hervorbringt. Die Klöster müssen sich in diesem Zusammenhang auch die Frage nach dem Sinn benediktinischer Armut vorlegen. Sie sind konfrontiert mit Diktaturen, Revolutionen, die ihre Länder erschüttern, und mit der Theologie der Befreiung und fragen sich, welche Haltung sie einzunehmen hätten, welche Rolle sie in der lateinamerikanischen Welt übernehmen müssten, welchen Anteil sie an einer Kirche nehmen sollten, die in Medellin und in Puebla ihren Auftrag zu definieren versucht hat, kurz: was sie zu tun hätten. Wenn ich den Eindruck zusammenfassen sollte, den mein Besuch verschiedener lateinamerikanischer Klöster in mir hinterlassen hat, würde ich sagen, dass ich nirgendwo Benediktiner angetroffen habe, die mit größerer Intensität mit der Suche nach der eigenen Intensität beschäftigt waren. In Wahrheit ist diese Suche nach einer typisch südamerikanischen benediktinischen Lebensform ein bisschen übertrieben. Es ist im Verlauf der Diskussionen der dritten EMLA in Buenos Aires im Jahr 1978 wiederholt notwendig gewesen, den Teilnehmern ins Gedächtnis zu rufen, dass viele ihrer Probleme nicht typisch für Lateinamerika sind und vergleichbare Probleme überall auf der Welt vorzufinden sind.“

Das Studium der Chroniken der verschieden EMLA und der behandelten Themen zeigt, dass die Dringlichkeit der Fragestellungen mehr und mehr abgenommen hat, dass die Atmosphäre der Zusammenkünfte sich entspannt hat und dass die Themen und die Diskussionen ausgeglichener geworden sind. Dies lässt auch eine gelassenere Haltung der Diversität und der Pluralität des Klosterlebens gegenüber erwarten. Hier ist ein entsprechendes Zitat: „Der stärkste Eindruck, den die 5. EMLA hinterlassen hat, ist vielleicht der gewesen, an den Diskussionen und Arbeitssitzungen in ein und demselben Geist teilgenommen zu haben. Dank den Jahren des gegenseitigen Kennenlernens und der Annäherung, dank der allgemeinen Entwicklung der Kirche auf unserem Kontinent und dank der vertieften Behandlung spezifischer Themen haben wir uns auf der Basis der Einmütigkeit wiedergefunden und sind heute weit von den früheren Diskussionen entfernt. Wir haben uns abgestimmt in der Einschätzung von Lageberichten, in der Auswahl unserer Optionen und den Alternativen für die Zukunft. Wir haben auf der kontinentalen Ebene, die uns die EMLA bietet, das wertzuschätzen gewusst, was wir bereits anlässlich der SURCO im April des Jahres 1986 feststellen konnten: ein wachsendes Miteinander, die Herausbildung eines spezifisch klösterlichen Profils, einen Respekt vor der Pluralität der Formen.

Auf den ersten EMLA-Sitzungen, die von hoher Anspannung erfüllt waren, und bei den Nachfolgetreffen, als die Atmosphäre bereits entspannter war, erschienen die zentralen Elemente, die das klösterliche Ideal ausmachen, entweder explizit oder implizit, in Überlegungen zu folgenden Verbindungen: Liturgie-Gebet-Betrachtung, Lektüre-Studium-Weiterbildung, Einsamkeit-Gastlichkeit-Gemeinsamkeit, brüderliches Leben-Arbeit-Solidarität. Bei allen Zusammenkünften hat man sich aber auch bemüht, die Zeichen der Zeit zu erkennen, indem man versuchte, Antworten auf den Appell des Herrn zu finden angesichts der Situationen, die die Kirche auf unserem Kontinent und in der ganzen Welt gerade durchlebt.

Bereits bei der Einberufung zu der 9. EMLA in Chile forderten die mit der Vorbereitung Beauftragten dazu auf, „unseren Blick besonders  „ad intra“  unseres Klosterlebens zu richten und die soziale Situation auf unserem Kontinent mit ihren schnellen Veränderungen sowie die Lage der Kirche zu bedenken. Der Blick „ad intra“ solle von Demut und Freimut bestimmt sein. Ich sage das, weil man bei der Lektüre der Dokumentation der frühen EMLA-Sitzungen das Gefühl hat, ein fast krankhaftes Bedürfnis nach eigener Identitätsbestätigung festzustellen. Dieses Bedürfnis wurde ausgelöst durch die Herausforderungen des postkonziliären Bewusstseins der Kirche sowie eines eindeutigen Engagements zugunsten der Befreiung der Menschen, besonders der Armen, auf dem lateinamerikanischen Kontinent. Aus der Rückschau betrachtet, trug dieses Bedürfnis die Versuchung in sich, einen pastoralen Protagonismus zu fördern und einige für unser benediktinisches Ideal essentielle Elemente zu relativieren.

Die letzte EMLA, im Jahr 2006 in Belo Horizonte, brachte einen bedeutsamen Einschnitt auf unserem langen Weg zur Gemeinsamkeit. In einer brüderlichen und entspannten Atmosphäre haben wir im Bewusstsein der Verantwortung für die uns Mönchen und Schwestern anvertrauten Aufgaben und unserer als Reichtum angenommenen Verschiedenheit über den benediktinischen Frieden nachgedacht. In Gebetsgemeinschaft mit der Ortskirche haben wir unsere Bitten um den Frieden auf unserem Kontinent und in der ganzen Welt vor Gott getragen. Dieses Mal haben wir uns ohne hitzige Diskussionen zwar nicht über alle recht detaillierten Schlussfolgerungen zu einem jeden Thema einigen können, wohl aber auf eine „Botschaft an alle Söhne und Töchter des hl. Benedikt in Lateinamerika und der Karibik“, aus der ich einige bedenkenswerte Abschnitte zitieren möchte:

„Unsere Zusammenkunft in Belo Horizonte war eine Inspiration des Hl. Geistes, damit die Klostergemeinschaften das unersetzbare Geschenk verwirklichen, das der Herr der Kirche in Lateinamerika und der Karibik macht. Durch das besonderes Charisma, das die Söhne und Töchter des hl. Benedikt zu Friedensstiftern und Brückenbauern macht, werden sie zu Missionaren Jesu Christi, damit die Völker in Ihm in Frieden leben.“

„Wir fordern alle Brüder und Schwestern auf, die Wege des Friedens zu beschreiten. Wenn wir der Berufung folgen, die an uns ergangen ist, und nichts Christus vorziehen, werden wir durch unseren Lobpreis, unser aufmerksames Hinhören auf Gottes Wort, unsere Arbeit und unsere Gastfreundschaft dahin gelangen, dass der Geist Gottes unsere Herzen zum Frieden bringt und die Gemeinsamkeit in unseren Klöstern stärkt. Bemühen wir uns, diesen dauerhaften Frieden zu erreichen, der uns Gott ähnlich macht und uns erlaubt, sein Angesicht zu schauen.“

Für das Jahr 2010 war die nächste EMLA geplant, und die ABECCA sollte sie vorbereiten. Die Durchführung hat wegen verschiedener Schwierigkeiten auf das Jahr 2013 verlegt werden müssen. Es ist sogar vorübergehend davon die Rede gewesen, die EMLA virtuell zu gestalten, wobei man besonders die hohen Kosten angeführt hat, die die persönliche Gegenwart der Teilnehmer verursacht, andererseits auch die Gefahr von Erdbeben auf Haïti und in Chile bedacht hat. Zweifellos schwerwiegende Argumente! Glücklicherweise hat man sich dennoch nicht für die virtuelle Lösung entschieden.

Die lateinamerikanischen Zusammenkünfte von Ordensleuten wie auch die regionalen Treffen sind eine Schule der Gemeinsamkeit gewesen. Es ist zutreffend, dass nicht alle Mitglieder der jeweiligen Kommunitäten Gelegenheit gehabt haben, an diesen Zusammenkünften teilzunehmen, aber es ist auch wahr, dass die Mehrheit der Klöster ihre Repräsentanten entsandt hat. Die wertvollen brüderlichen Beziehungen innerhalb der Klöster und die vertiefte gegenseitige Kenntnis haben diese Lösung möglich gemacht. Dank der elektronischen Kommunikationsmittel und den Websites ist die Verbreitung der Chroniken leicht möglich, so dass das Gespräch nicht abreißt. Ich möchte daneben besonders die Bedeutung des persönlichen Zeugnisses der Repräsentanten der einzelnen Klöster für ihre jeweilige Kommunität hervorheben. Sie waren wie ein von der Vorsehung bereiteter Kanal, durch den die Diversität und der Reichtum der Gaben des Hl. Geistes sichtbar wurden und  für die einzelnen Kommunitäten nutzbar gemacht werden konnten. Annahme und Nutzbarmachung in der einzelnen Kommunität fern von dem engen Rahmen der EMLA-Veranstaltung!

Wie an anderer Stelle bereits erwähnt, ist jede EMLA ein breites Forum gewesen, auf dem auch die zisterziensischen Konföderationen und Orden vertreten waren, dank dem Abt Primas der Zisterzienser und dank dem Kommunikationsaustausch des Sekretariats der AIM, das stets gute Arbeit geliefert hat. Dies alles begünstigt Gemeinsamkeit in universalen Dimensionen, von der bereits viel die Rede war. Ich möchte jedoch noch einmal unterstreichen: Alle Gemeinsamkeit ist an das Wort, den Bericht, das lebendige Zeugnis der sich begegnenden Personen gebunden.

2. HEUTE

Durch den Respekt vor den verschiedenen Verwirklichungsmöglichkeiten unseres klösterlichen Ideals und das Verständnis dieser Verschiedenheit als echten Reichtum hat sich zunehmend das gemeinsame Gefühl verstärkt, dass das Wirken des Hl. Geistes durch das Klosterleben ein unersetzbares Geschenk für die Kirche Christi ist. Derselbe Geist Gottes legt uns auch die Forderung auf, unsere persönliche Berufung vor dem Hintergrund der sozialen und kirchlichen Gegebenheiten unseres Kontinents zu verwirklichen. Die Situation der wachsenden Armut und der skandalösen Ungleichheit fordert von den Klosterkommunitäten ein kohärentes und transparentes Zeugnis, das auf eine nüchterne Lageeinschätzung und eine tatsächliche Solidarität für die Armen gegründet ist. Meiner Einschätzung nach ist dieses Bewusstsein bei den einzelnen Mönchen und Schwestern Südamerikas und der Karibik besonders scharf vorhanden und zeigt sich in konkreten Maßnahmen, die fast alle Kommunitäten einschließen. Sie haben ein abgeklärtes Bewusstsein der Lage, das sie kreative Maßnahmen ergreifen lässt, ohne jene Maßnahmen ersetzen zu wollen, für die andere Charismen in der Kirche zuständig sind, und ohne auf die Bedingungen zu verzichten, die uns erlauben, unsere persönliche Berufung zu erfüllen. Hierin zeigt sich letzten Endes die wahre Diversität.

Wenn man beispielshalber in den 70-er Jahren in gewissen Klöstern – zumindest in der Theorie – dafür plädierte, „die Wüste in die Stadtzentren zu holen“, um aus größerer Nähe das „Leben der Armen“ zu teilen, haben nach einigen Jahren gewiss mehrere Kommunitäten nach neuen Standorten verlangt, die ein Leben in Zurückgezogenheit und Schweigen ermöglichten. Sie taten dies, sobald sie sich von Stadtvierteln umgeben sahen, deren Häuser an ihr Kloster grenzten. Ich denke hier auch an mein eigenes Kloster, das von Usme-Bogotá nach Guatapé verlegt wurde, und auch an die Schwestern des Klosters Encontro in Curitiba, an die Zisterzienser in Chile, die Santiago verließen, um sich in der Umgebung von Rancagua niederzulassen, an die Mönche von San José in Avila, die sich nach Güigüe in Venezuela zurückzogen, an das Kloster Ponta Grossa in Brasilien, dessen Gründer São Paulo bereits verlassen haben; die restlichen Mönche denken  – wie die Mönche von Envigado in Kolumbien – jetzt an eine Umsiedlung u.a.m..

Auf der anderen Seite gibt es gewisse in jüngerer Zeit gegründete Kommunitäten, die inmitten populärer Stadtviertel ihrer  Berufung als Ordensleute vorbildlich nachgehen, Solidarität und Gastfreundschaft üben und sich wirksam für ihre armen Nachbarn einsetzen. Ich denke dabei an die Frauenklöster Pan de Vida in Torréon (Mexiko) und Salvador in Salvador de Bahia (Brasilien). Ander Klöster in ländlicher Umgebung haben zwecks Weiterbildung ihrer Brüder eine größere Nähe zur Stadt gesucht, wie es der Fall des Klosters Incarnación in Peru war, das Tambo grande in Piura verlassen hat und sich in einem Vorort von Lima neu niedergelassen hat. Die Mönche des Klosters Pascua unterhält eine unscheinbare Verbindung zu den Landleuten von Canelones in Uruguay, indem sie mit ihnen Arbeit, Gebet und lectio divina teilen. Die altehrwürdigen Klöster Brasiliens, die sich in den Zentren der großen Städte befinden, sehen sich einerseits mit den Herausforderungen ihrer langen Tradition, andererseits mit dem Hilferuf ihrer unmittelbaren Umgebung konfrontiert.

Das Bemühen um Eingliederung in die Ortskirche hat seitens der Ordensleute unseres Kontinents stets bestanden und ist von unseren Mönchen und Schwestern immer bedacht worden. Zu diesem Thema ist zu sagen, dass wir heute diskret und unaufdringlich in dem Bewusstsein unserer kirchlichen Verantwortung überall versuchen, als Ordensleute mit dem Volk Gottes das zu teilen, was der Geist Gottes ihm zu seinem Leben und zu seiner Heiligung anbietet. Auch hierin erweist sich unsere Diversität. Die Mehrheit der benediktinischen oder zisterziensischen Kommunitäten, von denen viele erst nach dem Konzil entstanden sind und  einfachere und weniger starre Strukturen aufweisen, verwirklicht den Geist der Gemeinsamkeit durch die gemeinsame Liturgiefeiern, Aufnahme von Gästen oder andere Dienste, die sie für ihre unmittelbaren Nachbarn verrichten. Andere Klöster engagieren sich im Unterrichtswesen in Schulen  und Fakultäten, von denen mehrere, besonders die in den großen Städten Brasiliens, renommiert sind. Für einige dieser Kommunitäten ist es jedoch zunehmend schwierig, ein solches Engagement aufrechtzuerhalten, weil viele junge Mönche nicht zu Lehrern berufen sind und auch kein Interesse  Forschungsarbeit oder sozialen Kontakten zu ihrer Umgebung haben. Denn die allgemeine Tendenz bei den jungen Ordensleuten geht heute dahin, wieder das Klosterleben „intra muros“ zu suchen, wie die Äbtissin Vera Lucia, die gegenwärtige Vorsitzende der CIMBRA, versichert.

Der Abt Benito Rodríguez, der der Vorsitzende der SUCRO ist, bemerkt in den Zeilen, die er mir hat zukommen lassen, spontan etwas, das ich Ihnen wiedergeben möchte. Er schreibt: „In der Mehrheit unserer Kommunitäten sind die von den Gründern übernommenen Klosterwerte fest verwurzelt und haben in einem gesunden Ausgleich zwischen überkommener Tradition und konkretem Umfeld feste Gestalt angenommen. Man schätzt, was man von früheren Generationen ererbt hat und bewahrt sich doch eine gewisse Offenheit der Gegenwart gegenüber, in die Gott uns gestellt hat.“

Es ist nicht zu bezweifeln, dass die von jeder Kommunität durchlaufene Wegstrecke und die Gemeinsamkeit unter den Klöstern dieses Kontinents eine ruhige Verankerung in der Tradition bewirkt haben. Die Abstimmung so unterschiedlicher und vielgestaltiger Klostergemeinschaften stellt eine Synthese zwischen dem besonderen Charakter der einzelnen Häuser auf Grund ihrer Gründungsstatuten und dem soziokulturellen und kirchlichen Umfeld dar, in dem die Gründung stattgefunden hat. Dieses reiche und unterschiedliche Erbe ist auch in den Klöstern fühlbar, die eine neue Kongregation auf der südlichen Erdhalbkugel gebildet haben. Man findet in einem jeden dieser Klöster die besondere „Marke“ der Klöster und Kongregationen wieder, aus denen sie hervorgegangen sind oder zu denen sie gehören. Man stellt heute allgemein eine offene Haltung fest, die weit verbreitet ist und weniger eifersüchtig auf Autonomie oder regionale Originalität bedacht ist. Wenn zu Beginn dieser Klostergemeinschaft auf kontinentaler Ebene, von der oben die Rede war, noch viel Misstrauen im Hinblick auf eine Assoziierung bestand (auch im Hinblick auf die AIM), da man fürchtete, man werde von einer „fernen Autorität“ abhängig werden, ist heute eine abgeklärtere Haltung und das Fehlen von Vorurteilen festzustellen, ohne die Aufgabe der Fundamentalien unseres Klosterdaseins. Man kann sogar Initiativen sehen, die seinerzeit wegen ihrer Neuartigkeit in Frage gestellt worden wären.

Beispielshalber ist das Kloster Ponta Grossa von der brasilianischen Kongregation zur Kongregation Subiaco übergewechselt, nachdem man festgestellt hatte, dass Leben und Mentalität der eigenen Kommunität mehr der aufnehmenden Kongregation entspachen. Und auch die von ihm abhängigen Klöster (Santa Rosa und Rio grande do sol) gehen den gleichen Weg. In der gleichen Kongregation Subiaco findet aber der Wunsch einer südamerikanischen Provinz, die sich von der spanischen Kongregation trennen möchte, kein großes Echo, denn die Kongregation ist  der Meinung, das Nebeneinander von südamerikanischen und spanischen Ordensleuten sei ein Reichtum für alle, wenn sie gemeinsam im Kapitel berieten, selbst wenn die Besucher jedes Mal den Atlantik überqueren müssten.

Auf der 2. EMLA in Bogotá im Jahr 1975 sagte Dom Basilio Penido, der Abt von Olinda: „Ich kann nicht in die Zukunft sehen, aber ich habe den Eindruck, dass die Kommunität der Zukunft kleiner sein muss, fest gegründet auf der Einmütigkeit und der  Liebe der Brüder, die die freiwillige Verpflichtung zur Stabilität innerhalb der Gemeinschaft bewirken, so wie der hl. Benedikt es vorschreibt.“

Er hat sich nicht geirrt! Auch wenn es wahr ist, dass viele neue Berufungen auf unserer Kommunitäten zukommen, ist es ebenso wahr, dass in einer großen Zahl unserer Klöster das numerische Wachstum stagniert und als Folge ein Anwachsen des Durchschnittsalters zu verzeichnen ist, um nicht von Überalterung zu sprechen. Was die von Dom Basilio erwähnte Stabilität angeht, stellen wir in unseren südamerikanischen und karibischen Klöstern die gleichen Phänomene fest, die weltweit im Klosterleben zu verzeichnen sind. Denn Instabilität und Mangel an Durchhaltevermögen sind keine typisch südamerikanischen Phänomene, wie man zu allen Zeiten und an allen Orten lauthals verkündet hat. Instabilität und Unausgeglichenheit sind vielmehr Kennzeichen der butterweichen Wohlstandsgesellschaft, die bei uns allen – auch den Alten – ihre Spuren hinterlassen hat. Daher ist eine besonders gewissenhafte Prüfung bei der Aufnahme von Kandidaten mehr als angezeigt, denn in jedem Fall bieten die Klöster ja Sicherheiten, die man in anderen sozialen Einrichtungen nicht findet. Das, was der Abt Basilio vor mehr als dreißig Jahren festgestellt hat, bewahrheitet sich heute: Viele Leute klopfen an die Pforte der Klöster, weil sie „in Frieden leben möchten“, mit anderen Worten, weil sie den Status des Ruheständlers bereits mit 25 Jahren suchen (In den Ländern der nördlichen Erdhalbkugel suchen gelegentlich Ruheständler in den Klöstern eher ein Altersheim mit spiritueller Versorgung und niedrigem Kostenaufwand).

Im Bereich der Ausbildung und der Weiterbildung ist die Bilanz durchaus positiv nach dem, was die Vorsitzenden der drei Regionalverbände auf Anfrage mitgeteilt haben. Abgesehen von der Tatsache, dass viele unserer Mönche und Schwestern in mehreren Klöstern ihre Ausbildung erhielten, fördern und unterstützen die Zusammenkünfte auf nationaler, regionaler und kontinentaler Ebene diese Aufgabe, die bei uns Priorität hat. Die CIMBRA hat sogar eine Schule für Ausbildungsleiter eröffnet. Die Hilfe der AIM ist in diesem Bereich wertvoll und wirksam gewesen. Wir wollen die Vorsitzende der ABECCA, Sr. Patricia Henry, hier zu Wort kommen lassen: „Wir versammeln uns ein oder zwei Male in der UBC (Union Benedictine et Cistercienne) und bieten dabei – dank der Hilfe der AIM – Weiterbildungskurse an. In den Jahren, als ich in der UBC und in der ABECCA tätig war, habe ich gesehen, dass die von der AIM angebotenen Möglichkeiten zur Weiterbildung von großem Wert waren und der ganzen Region zugute gekommen sind.“

Die Klosterarbeit ist ein häufiges Thema in den Beratungen der verschiedenen Regionalversammlungen und auch in den Sitzungen der EMLA gewesen. Die Maxime aus der Regel des hl. Benedikt: „Die Mönche sind wahre Mönche, wenn sie von der Arbeit ihrer Hände leben“ stellt eine ständige Herausforderung für unsere Kommunitäten dar. Das verantwortungsvolle Bewusstsein von dem Wert der Arbeit ist angesichts der sozialen Verhältnisse auf unserem Kontinent durch den Anruf unseres Herrn noch verstärkt worden. Die Mönche und Schwestern unseres Kontinents haben die Problematik auf ihrem gemeinsamen Weg sorgsam bedacht. Von der Arbeit unserer Hände zu leben, ist für uns Ordensleute zu einem Siegel klösterlicher Authentizität im größeren Rahmen der Kirche geworden. Die Kirche ist heute in Lateinamerika ein konkretes Zeichen der Gemeinschaft mit den Armen geworden. Sie unterstützt nicht nur die Armen in ihrem Existenzkampf, sie sieht auch die reale Möglichkeit, den Ärmsten der Armen konkrete Hilfe zu gewähren.

In der Gründungscharta meines eigenen Klosters in Usme, heute in Guatapé, sowie in der Charta des Klosters von der Auferstehung in Ponta Grossa, findet sich das Ideal, von der Arbeit der eigenen Hände zu leben, gut definiert. In beiden Fällen ist auch die Vorschrift angefügt, den Nächsten der Armen alles das zu spenden, „was über die strikten Bedürfnisse der Kommunität hinausgeht“. Obwohl die Haushaltslage dieser beiden Kommunitäten, die mir gut bekannt sind, recht angespannt ist, teilt man in beiden Klöstern in schlichter und brüderlicher Weise alles mit den Armen der unmittelbaren Umgebung. Gelegentlich waren sie es auch, die uns mit einem Büschel Bananen oder einem Sack Orangen unterstützt haben.

Was ich hier von zwei einzelnen Kommunitäten gesagt habe, spiegelt nur die Verhaltensweise der Mehrheit der Klöster unseres Kontinents wider: eine prekäre Haushaltslage sowie Schwierigkeiten, eine Arbeit zu finden, die das Überleben des Klosters sichert und zugleich mit dem Klosterrhythmus vereinbar ist. In einigen Fällen hat man es sogar geschafft, eine kleine „Firma“ zu gründen, die zugleich rentabel und repräsentativ war. Aber die Arbeitsbelastung, die Verwaltungsaufgaben und die Marktkonkurrenz haben fast die ganze Zeit und Energie der Ordensleute absorbiert und es ihnen unmöglich gemacht, ihrer dreifachen Verpflichtung zu Gebet, Arbeit und Studium nachzukommen.

Der Abt Benoît, der Vorsitzende der SUCRO, hat zu diesem Thema eine interessante Bemerkung gemacht. Er sagt: „Das Ideal, von seiner Hände Arbeit zu leben, ist in einer besonderen Weise von unseren Frauenklöstern verwirklicht worden, denn es hat zu einer einfacheren Lebensform geführt. Ich habe den Eindruck, dass in den Männerklöstern seltener nach diesem Ideal gelebt wird, was die Gefahr mit sich bringt, dass wir die Lebensbedingungen der einfachen Leute aus dem Auge verlieren. Ich habe aber auch den Eindruck, dass einige Kommunitäten Zeiten großer wirtschaftlicher Unsicherheit durchmachen.“

Dieses Zeugnis gibt die Lage vieler Kommunitäten der drei großen Regionen Lateinamerikas wieder. Auf jeden Fall gibt es das gemeinsame Bemühen, mit den schwierigen Lebensbedingungen in Lateinamerika fertig zu werden. Die Vorsitzende der CIMBRA, die Äbtissin Vera Lucia, sagt, dass die GRAM (Groupe de réflexion et d’administration, ein klösterlicher Think-tank) in Brasilien bereits an der Arbeit ist und Antworten auf diese dringlichen Fragen sucht.

Wir finden Pluralismus und Diversität auch in diesem Bereich, denn während einige Klöster am Rand des Überlebens stehen, leben andere mit größerer Stabilität und großem Reichtum – man könnte für einige unter ihnen sogar Superlative verwenden … Letztere haben jedoch größere Schwierigkeiten innerhalb ihrer Kommunitäten gehabt und haben Situationen durchgemacht, die der Ortskirche als schier untragbar erschienen – eben wegen ihres großen Reichtums, der für einige unter ihnen eine echte Versuchung darstellte, und wegen der „unverantwortlichen Behaglichkeit“, die der Überfluss begünstigt hat. Ich denke und hoffe, dass diese reichen Klosterkommunitäten Lateinamerikas und der Karibik ihren bedrängten Brüdern und Schwestern durch die AIM solidarische Hilfe werden zukommen lassen oder – soweit vorhanden – durch die Solidaritätsfonds ihrer Kongregationen nach der Formel „…so dass die eine Hand nicht weiß, was die andere tut“. Ich weiß sehr wohl, dass meine Worte Unbehagen bereiten werden, aber diese Schrift zu “Klostergemeinschaften in Lateinamerika und der Karibik“ verlangt deutliche Worte. Ich habe mich immer gefragt, warum so viele unserer armen Kommunitäten um punktuelle, meistens kleine Hilfen von außen nachsuchen müssen, während reiche Klöster ganz in ihrer Nähe ihnen aushelfen könnten. Aber setzen wir dieses Thema nicht weiter fort, denn es ist tabou… Wir gelangen dabei an die Grenzen des Mysteriums …

Vor einigen Jahren hat ein Mönch anlässlich eines Treffens der ABECCA sich in ungehöriger Weise erlaubt, die Möglichkeit des Klosterlebens in Lateinamerika grundsätzlich in Frage zu stellen. Seine präzise Frage lautete: „Kann man heute noch Mönch in Lateinamerika sein?“ Und er genierte sich nicht, hierzu deutliche Zweifel anzumelden. Gott sei es gedankt, dass wir heute versichern können, dass das Klosterleben ohne jeden Zweifel in Lateinamerika und in der Karibik eine lebendige Realität ist, nicht durch große Leistungen unsererseits, sondern weil die Mönche und Schwestern in unseren Klöstern Männer und Frauen sind, die, aufrichtig und brüderlich vereint, Gott suchen. Die Vorsitzenden der drei Regionen haben in den mir übermittelten Texten mit großer Schlichtheit versichert: „In unseren Häusern halten wir würdige und aufmerksam verfolgte Liturgiefeiern ab und pflegen die lectio divina zu besonderen Zeiten unseres Tagesablaufs; mit den allgemein bekannten Schwierigkeiten sichern wir durch unsere Arbeit unseren Lebensunterhalt und nehmen auch Gäste auf, die bei uns anklopfen, um an unserem Leben, am Wort Gottes und an unserem Gebet  teilzunehmen.“ Ohne jeden Zweifel sind wir häufig auch träge, lustlos und nachlässig, als lebten wir in einer anderen Welt, aber wir sind zumindest Mönche und Schwestern auf dem Weg zu innerer Umkehr!

Mehrere unter Ihnen werden sich fragen, was die besonderen Züge des lateinamerikanischen Klosterlebens sind. Lateinamerika ist eine multikulturelle Welt von extremer Diversität. Darin liegt aber auch ihr Reichtum. Aber ein typisch lateinamerikanisches Klosterleben gibt es ebenso wenig wie ein typisch europäisches oder eines einer anderen geographisch-kulturellen Einheit. Es gibt nur ein christliches Klosterleben, in unserem Fall mit benediktinisch-zisterziensischer Spiritualität, das transkulturellen Charakter hat. Wir sind natürlich alle lateinamerikanische und karibische Mönche oder Schwestern.

Ich glaube nicht, dass es jetzt darum gehen kann, Unterscheidungsmerkmale und Herkunftszeichen zu suchen. Wichtig ist vor allem dies: Treue im Tagesalltag, Aufmerksamkeit für den Anruf des Hl. Geistes, ausgehend von dem realen sozialen und kirchlichen Umfeld, in dem wir leben. Der Hl. Geist, dessen Anruf in jedem Kloster und auf allen zwischenklösterlichen Versammlungen zu vernehmen ist, zeigt jeder Epoche neue Wege, auf denen unser Herr uns führen möchte.

3. MORGEN

Aus der Botschaft, die am Ende der letzten EMLA an „die Söhne und Töchter des hl. Benedikt in Lateinamerika und in der Karibik“ erging und aus der ich bereits einige Zeilen zitiert habe, geben wir hier in knapper Form die Anrufe des Hl. Geistes an unsere Kommunitäten wieder, die ein ganzes Lebensprogramm darstellen, das uns die Fundamente unserer Berufung wiederfinden und hoffnungsvoll in die Zukunft blicken lässt:

„Damit der Friede Gottes in unseren Kommunitäten wieder aufblühe und unsere Völker mit Hoffnung erfülle:

-  soll unser Schweigen uns hinhören lassen auf die Nöte aller Männer und Frauen auf der Welt und uns befähigen, Diversität als Reichtum anzunehmen;             

-  sollen unsere Gästehäuser zu wahren Stätten der Begegnung und Versöhnung werden;

-  sollen die Kommunitäten, treu dem Evangelium und der Tradition, die ökumenische Bewegung und den inter-religiösen Dialog fördern;

-  soll unser gemeinschaftliches Leben in Schlichtheit und Solidarität mit dem Volk der Armen eine Alternative zu dem gegenwärtigen Sozialmodell darstellen, das auf Konkurrenzdenken, Ausschluss und persönlichen Vorteil gegründet ist;

- soll unsere Sparsamkeit mit den Gütern der Natur und unser Verständnis der Schöpfung „als heiliges Gefäß auf dem Altar“ eine Antwort auf das Konsumdenken und die brutalen Angriffe auf unsere Mutter Erde und das gesamte Ökosystem sein.“

Im Verlauf dieser langen Darstellung habe ich bisher nur stellenweise und diskret die wertvolle Hilfe erwähnt, die die AIM unseren Kommunitäten in Lateinamerika und der Karibik hat zukommen lassen. Ich möchte an dieser Stelle den Wert dieser Hilfe nachdrücklich hervorheben. Wie ich bereits zu Beginn gesagt habe, hat der Dienst des Sekretariats der AIM vor allem in der Begleitung bestanden, die sie den Mönchen und Schwestern unseres Kontinents auf ihrem gemeinschaftlichen Weg gewährt hat und die zur Festigung der einzelnen Kommunitäten wesentlich beigetragen hat. Die Anwesenheit der Mitarbeiter der AIM bei unseren kontinentalen und regionalen Zusammenkünften ist im Hinblick auf den angestrebten Gemeinschaftsgeist für uns von großem Wert gewesen. Mit ihren zurückhaltend vorgetragenen Beiträgen haben die Vertreter der AIM unsere Überlegungen gefördert. Ihre sorgfältigen und vollständigen Berichte über das Klosterleben auf anderen Kontinenten, die uns auf diesen Zusammenkünften geboten wurden, sind für uns wie ein geöffnetes Fenster gewesen, das einen Ausblick auf eine weltweite Klostergemeinschaft gewährte. Die Besuche der Delegierten  in unseren Klöstern haben den gleichen Wert gehabt.

Ich habe weiter oben bereits die Kraft des Wortes, des Berichts und des persönlichen Zeugnisses betont; darin besteht der Wert dieser Besuche, der Teilnahme an unseren Zusammenkünften, der abgegebenen Berichte. Was die sogenannten „schwarzen Benediktiner“ angeht, hat die Begleitung durch die Mitbrüder der AIM ihnen die Erfahrung von Konföderation vermittelt und das Gefühl der Zugehörigkeit bei ihnen verstärkt.

Die anderen Dienste des Sekretariats der AIM sind nicht weniger wertvoll gewesen: die wirtschaftliche Unterstützung unserer Zusammenkünfte, das Angebot von Kursen und anderen Fortbildungsmöglichkeiten, die Bereitstellung von Büchern, die Subskription von Zeitschriften, die Gewährung von Stipendien,  die finanziellen Zuschüsse zu Baumaßnahmen. Das Sekretariat der AIM hat sich als ein von der Vorsehung bereiteter Kanal zu solidarischem Teilen erwiesen, durch den bedürftigen Kommunitäten unentbehrliche Unterstützung und Hilfe zufließt. Die Kommunitäten und Institutionen, die diese finanziellen Hilfen zu den Programmen der AIM leisten, werden die Genugtuung erfahren haben, eine gute Sache mitgetragen zu haben.

Es ist auch angemessen, hier den großen Wert des Bulletins der AIM für die gesamte Klostergemeinschaft zu betonen. Auch wenn es möglicherweise in Zukunft im Netz verbreitet werden sollte, hoffen wir doch, dass es nicht ausschließlich virtuell gestaltet sein wird und  auch in Zukunft real in unseren Zeitschriftensammlungen greifbar sein wird. Das Gleiche gilt für die gute Revue „Cuadernos Monasticos“, die ebenso wertvolle Dienste für das Zusammengehörigkeitsgefühl zwischen den Klöstern Lateinamerikas und der Karibik wie  für die Weiterbildung der Mönche und Schwestern dieses Großraumes leistet.

Mit diesen Worten versuche ich, die Rolle der AIM in der Gegenwart und der Zukunft zu beschreiben. Ihre Begleitung ist und bleibt von unschätzbarem Wert, damit die Mönche und die Schwestern Lateinamerikas und der Karibik das leisten können, was der der Herr von uns erwartet und was in eindeutiger Form zum Abschluss der letzten  EMLA in Brasilien formuliert worden ist, wie oben zitiert.

Im Anschluss an die Konferenz von Aparecida in Brasilien hat die lateinamerikanische Kirche die kontinentale Missionierung gestartet. Die Teilnahme der Mönche und Schwestern daran ist unerlässlich und unersetzlich. Unser hauptsächlicher Beitrag ist und bleibt jedoch die Treue zu unserer Berufung. Ich möchte hier einige Worte des neu gewählten Generalabtes der OCSO, Dom Bernado Oliveira, zitieren, die er auf der EMLA 1990 in Argentinien sprach. Im Zusammenhang mit unseren Überlegungen zum „Klosterleben und zur Evangelisierung Lateinamerikas“ hat Dom Bernado uns alle daran erinnert, dass das Konzil in PC 7 von der „geheimnisvollen apostolischen Fruchtbarkeit“ jener Institutionen spricht, die sich der Betrachtung widmen. Dann hat er die Frage gestellt: „Glauben wir Mönche und Schwestern Lateinamerikas an diese ‚geheimnisvolle apostolische Fruchtbarkeit‘ unseres gottgeweihten Lebens, das allein der Gottessuche dient?“ Diese Frage ist stets von höchster Aktualität.

In seiner Eröffnungsrede versicherte Papst Benedikt XVI.: „Nur der, der Gott erkennt, versteht auch die umgebende Realität und ist in der Lage, eine adäquate und wahrhaft menschliche Antwort zu geben. Wer Gott aus seinem Horizont ausschließt, verfälscht das Wesen der Realität um ihn herum.“ Mit dieser Aussage begegnet der Papst dem Vorwurf des religiösen Individualismus, den man auch als Flucht aus der Realität bezeichnet, ein Vorwurf, den man so oft gegen die Priorität des Glaubens an Christus und eines Lebens in Ihm erhebt.

In dem apostolischen Mahnschreiben Verbum Domini versichert der Papst in gleichem Sinn: „Die Kirche braucht heute mehr als jemals zuvor das Zeugnis derer, die sich verpflichten, ‚nichts der Liebe Christi vorzuziehen‘ […]. Eine solche Lebensform zeigt der Welt von heute, was das Entscheidende ist, letztlich die einzige Sache, die zählt; es gibt nämlich einen tiefen Grund, warum das Leben wert ist, gelebt zu werden: Gott und seine unergründliche Liebe.“

Dies ist das Zeugnis, das von uns inmitten der Kirche verlangt wird, nicht nur in Lateinamerika und der Karibik, sondern auf der ganzen Welt. Im Dienst der Wahrhaftigkeit dieses Zeugnisses zu stehen ist die tiefste Daseinsberechtigung der „Alliance Inter Monastères und die wesentlichste Motivation ihres Handelns.