Vorläufer

Die ersten christlichen Kontakte mit China wurden durch Mönche der ostsyrischen Kirche im 7. Jhd. geknüpft. Die Chinesen nannten ihren Glauben Jingjao – „Religion des Lichts“. Bis zum 9. Jhd. konnten diese Mönche unter der Tang-Dynastie Klöster und Gemeinden errichten, dann verlieren sich ihre Spuren.

Mönchsorden der lateinischen Kirche spielten in den ersten missionarischen Kontakten keine Rolle. Erst zum Ausgang des 19. Jahrhunderts erreichten sie das Land der Mitte.

Eine katholische Universität für China

Benediktinerischer Geist zog erstmals mit der trappistischen Niederlassung von Yang Jia Ping im Jahre 1883 in China ein. Der Bischof von Peking hatte die Trappisten der französischen Abtei Sept-Fons dazu eingeladen, ein Kloster in der Nähe der chinesischen Hauptstadt zu gründen, das als geistlicher Rückzugsort für den Diözesanklerus und als Gegengewicht zu den buddhistischen Klöstern dienen sollte. Die Trappisten hatten trotz oder gerade wegen ihrer strengen Abgeschlossenheit und des asketischen Lebensstils schon bald derartigen Zulauf, dass sie 1897 Kloster Hokkaido in Japan besiedeln konnten.

Neben dieser eher stillen Blüte begann im Hintergrund ein Projekt, das sich zu einem kurzlebigen Ruhmesblatte der benediktinischen Geschichte auswachsen sollte. Während der Kolonialzeit und vor allem seit dem Boxeraufstand im Jahre 1900 entwickelten die protestantischen Missionare insbesondere im Bildungsbereich große Aktivitäten. Sie gründeten Schulen, Hochschulen, fertigten zwei Bibelübersetzungen an und produzierten reichhaltige Literatur - nicht zuletzt dank finanzieller Unterstützung aus Amerika. So hatten sie Zugang zu gebildeten und gesellschaftlich einflußreichen Kreisen. Die katholische Kirche hingegen war im Bereich Kultur und Bildung - abgesehen von der Jesuitenhochschule in Tientsin und dem Vikariat Shanghai - kaum in der chinesischen Gesellschaft präsent und galt als Kirche der Bauern und Ungebildeten. Der große chinesische Schriftsteller und Katholik Vincent Ying sah daher in der Gründung einer Katholischen Universität in Peking eine unverzichtbare Voraussetzung für den Kontakt des Christentum mit der chinesischen Kultur, für eine Inkulturation christlichen Glaubens in China. In einem Schreiben an Papst Pius X. im Jahre 1912 bat er: „So bitten wir Euch, Vater und Lehrer, ... uns tugendhafte und gebildete Missionare zu senden, um in unserer großen Hauptstadt eine Universität zu gründen, die zugleich Heiden und Christen offensteht. Die Universität soll ein Modell für unsere gesamte Nation sein, sie soll die intellektuelle Elite unter den Katholiken heranbilden und den Heiden wahre Erleuchtung bringen.”

Zehn Jahre später, 1922, nahm dieses Projekt Gestalt an, als eine Einladung des Kardinalpräfekten der vatikanischen Kongregation für die Glaubensverbreitung an die Amerikanisch-Cassinensische Benediktinerkongregation zur Gründung einer solchen Universität erging. In diesem Schreiben betonte der Präfekt Kardinal Van Rossum, daß die Wahl bewußt auf die Benediktiner gefallen sei. Seit jeher seien sie Förderer der Kultur und damit der Inkulturation; diese Fähigkeiten seien umso mehr erforderlich, als China sich in einer Situation befinde, die vergleichbar sei mit dem zerfallenden römischen Reich zu Zeiten des Hl. Benedikt. Im August 1923 akzeptierte die Amerikanisch-Cassinesische Benediktinerkongregation die Einladung und beauftragt die Erzabtei St. Vincent mit der Gründung der Universität. Zwei Mönche von St. Vincent traten die Reise nach Peking an: P. Ildephons Brandstetter OSB, der Prior der neuen Klostergemeinschaft, und P. Placidus Rattenberg OSB. Sie konnten im März 1925 dank  der Beiträge vieler Spender in Amerika und China das Winterpalais des Prinzen Tsai Tao, Onkel des letzten Kaisers, erwerben. Die Gebäude im traditionell chinesischen Stil wurden für die klösterliche Kommunität und für den Lehrbetrieb hergerichtet: als Hör- und Speisesäle, als Studienräume und Laboratorien und als abgeschlossener Klostertrakt.

Am 1. Oktober 1925 öffnete die Katholische Universität Peking ihre Tore mit der Fu Jen She oder MacManus Akademie für chinesische Studien. Dank der finanziellen Unterstützung des amerikanischen Industriellen MacManus konnten vier der renommiertesten chinesischen Gelehrten als Dozenten gewonnen werden. 23 Studenten bestanden die Eingangsprüfung und bilden das erste Studienjahr. Erster Kanzler der Universität wurde Erzabt Aurelius Stehle OSB von St. Vincent und Präsident der Universität Vincent Ying. Der Lehrbetrieb der Fu Jen wurde rasch ausgeweitet, weitere chinesische Gelehrte konnten für die neue Universität gewonnen werden. Auch von europäischen Universitäten wurden zahlreiche Professoren rekrutiert. Im Jahre 1927 folgte die Einrichtung eines Noviziats errichtet werden. Im selben Jahr erhielt die Akademie die vorläufige staatliche Anerkennung als Universität mit ihrer bislang einzigen Fakultät der Freien Künste. Der offizielle chinesische Name lautete nun Fu Jen Da Xue (Fu Jen Universität). Die Jahre 1927 bis 1929 waren gekennzeichnet von Studentenunruhen, die im Zusammenhang mit den politischen Auseinandersetzungen und den Kampfhandlungen zwischen den Armeen in Nord- und Südchina stehen. Aufgewiegelte Studenten protestierten gegen ausländische Hochschulen. Im Rahmen dieser Unruhen wird der Fu Jen 1929 vorübergehend der Universitätstitel entzogen. Nach der Errichtung zweier weiterer Fakultäten wurde er noch im Jahre 1929 wieder verliehen. Die Fu Jen bestand nun aus drei Fakultäten: Freie Künste, Naturwissenschaften und Pädagogik.

Im September 1930 trafen sechs amerikanische Benediktinerinnen in Peking ein. Sie bereiteten die Gründung eines Mädchenkollegs vor, das der 1929 errichteten Mittelschule für Jungen angegliedert werden sollte. 1931 erfolgte die endgültige staatliche Anerkennung der Fu Jen als Universität. Im Studienjahr 1932/1933 waren 605 Studenten eingeschrieben, 48 Studenten erlangten akademische Grade. Die Studienzeit zum Diplom (Bakkalaureat) betrug 4 Jahre.

Rückschläge

Im Februar 1933 teilte der Sekretär der Kongregation der Glaubensverbreitung mit, daß die Leitung der Katholischen Universität Peking an die Gesellschaft des Göttlichen Wortes (Steyler Missionare) übertragen werden sollte. Für die Benediktinermönche in Kloster und Hochschule und für die Benediktinerinnen am Mädchenkolleg war dies ein herber Schlag. Viele von ihnen hatten unter größten Opfern und Mühen an der Errichtung einer Universität in schwierigen Zeiten und in einer fremden Welt mitgewirkt. Trotz aller Schwierigkeiten kam für viele von ihnen dieser Schritt überraschend. Vor allem die Weltwirtschaftskrise war Grund dafür, daß eine einzelne Abtei wie St. Vincent trotz des Engagements eines amerikaweiten Förderkreises der Katholischen Universität Peking nicht mehr genügend Finanzressourcen zur Verfügung stellen konnte. Als schwierig erwies sich in dieser Lage auch die Struktur der Benediktiner: zwar war die Gründung der Universität der Amerikanisch-Cassinensischen Benediktinerkongregation übertragen worden, doch hatte St. Vincent seit Beginn rechtlich verantwortlich gezeichnet. Aufgrund der Finanzkrise waren die anderen Klöster der Kongregation nicht mehr fähig und willens, die Fu Jen finanziell mitzutragen. Schließlich hielt auch der Alltag in einem fremden Kulturkreis, in einer politisch labilen Situation und in der Spannung zwischen einem Leben als Mönch und Manager, im Kloster und  auf dem Universitätscampus Herausforderungen bereit, denen mancher nicht gewachsen war. Im April 1933 wurde die Katholische Universität Peking an die SVD übertragen.

Die Pionierleistung der Benediktiner jedoch blieb und trug Früchte: die Universität wuchs, weitere Fakultäten und Fachabteilungen wurden gegründet, die Zahl der Studenten stieg stetig an. Viele von ihnen ließen sich taufen. Neben den Mittelschulen für Knaben und Mädchen wurde ein Kolleg für chinesische Priester gegründet; wichtige Publikationen wurden an der Fu Jen angesiedelt. Ab 1935 entstand die Pekinger Kunstschule, eine berühmte Malschule, die christliche Motive in chinesischer Bildsprache verarbeitete - ein weiteres Zeichen und Mittel der Inkulturation. Erwähnt werden soll auch die Herstellung des Impfstoffes gegen Typhus am mikrobiologischen Labor der Fu Jen. Unter der Leitung seines Entdeckers, Dr. Weigl aus Lwow (Lemberg), wurde dieses Serum hergestellt, das Nordchina, die Mandschurei, die innere Mongolei und Korea von einer verheerenden Geisel befreite.

1951 wurde die Fu Jen vom kommunistischen Regime in die Pekinger Normaluniversität integriert, was das Ende der katholischen Institution bedeutete. Im Jahre 1960 kam es zu einer Wiedergründung der Fu Jen in Taipei, Taiwan, wo sie heute zu den größten Universitäten des Landes zählt. Neben der Wissensvermittlung in den geistes- und naturwissenschaftlichen Fakultäten steht nach wie vor die Vermittlung christlicher Werte und die ganzheitliche Bildung junger Menschen im Mittelpunkt. Nach wie vor unterrichten auch Missionare und Ordensleute an der Fu Jen: Steyler Missionare, Jesuiten, Dominikaner und auch Benediktiner.

Nach der Übertragung der Fu Jen Universität an die Steyler Missionare erhielten drei der Patres die Erlaubnis, weiter in China bleiben zu dürfen. Sie zogen um nach Kaifeng und wurden 1936 dem Abt von St. Procopius in den USA unterstellt. Nach einer Auseinandersetzung mit dem Bischof planten die Mönche einen weiteren Umzug, wurden aber als amerikanische Staatsbürger ab 1941interniert. Eine Neugründung in Peking nach Kriegsende wurde die kommunistische Machtübernahme vereitelt. Auch die amerikanischen Benediktinerinnen, die an der Universität tätig gewesen waren, hatten auf eine Weiterarbeit in China gehofft. Wie ihre amerikanischen Brüder waren sie interniert worden und mußten 1948 das Land verlassen. Beide Gruppen ließen sich schließlich in Taiwan nieder, wo St. Procopius ein kleines Priorat errichtete, dessen erster Prior der frühere Universitätskanzler der Fu Jen wurde.

Die Erzabtei St. Vincent, die einstige Trägerin der Universität, beteiligte sich ebenfalls an der neuenstehenden Fu Jen Universität in Taiwan und errichtete auf dem Hochschulgelände ein Priorat, in dem heute zwei Benediktinerprofessoren leben.

Die Missionsbenediktiner in Yanji

Ungefähr gleichzeitig mit den amerikanischen Benediktinern trafen deutsche Missionsbenediktiner im Norden des Landes ein. Der Weg nach China führte dabei die Benediktiner von St. Ottilien über Korea: seit 1909 waren die ersten Missionsbenediktiner in Seoul tätig und gründeten dort die Abtei St. Benedikt. 1920 erhielten sie vom Heiligen Stuhl ein weitgestrecktes Missionsgebiet im Norden Koreas. An dieses Gebiet fügte im folgenden Jahr die Propaganda noch Teile der nordostchinesischen Mandschurei an. Über die großen Entfernungen hinweg war eine gute Verwaltung von der nordkoreanischen  Missionsabtei Tokwon aus kaum möglich, weshalb der chinesische Sprengel 1928 abgetrennt wurde. Erster Oberer dieser chinesischen Benediktinermission war P. Theodor Breher, der den Titel eines Apostolischen Präfekten erhielt. Das ganze Missionsgebiet war mit 58.000 km2 um einiges größer als Bayern. Die Bevölkerung der Mandschurei war weitgehend chinesisch. Durch das japanische Kolonialregime wurden allerdings immer mehr Koreaner nach Norden umgesiedelt, so daß auch große Koreanerpfarreien entstanden.

P. Theodor verfügte zunächst über zwölf Patres, die sich auf acht Stationen verteilten. In den folgenden Jahren stieg die Zahl der Mönche durch Verstärkung aus Europa. 1931 kamen außerdem noch Olivetanerinnen aus dem schweizerischen Cham hinzu, die Aufgaben in der Erziehung und Krankenpflege übernahmen.

Die Hauptstation in der Stadt Yenki, gegründet 1922, wuchs zu einem regelrechten Kloster heran und wurde 1934 zur Abtei HeiligKreuz erhoben. P. Theodor wurde der erste Abt. Ähnlich wie im koreanischen Tokwon beherbergte die Abtei Werkstätten und eine Druckerei und unterhielt ein Priesterseminar sowie eine Internatsoberschule. 1937 trug der Vatikan der guten Entwicklung des Missionsgebietes Rechnung und erhob Yenki zum Apostolischen Vikariat, dessen Oberer im Bischofsrang stand. P. Theodor erhielt so nach der Abtsbenediktion auch noch die Bischofsweihe. Zu diesem Zeitpunkt umfaßte das Vikariat 24 Patres, die auf 15 Hauptstationen und 140 Außenposten 14.000 Christen betreuten. 17 Brüder arbeiteten in den Werkstätten und halfen im Missionswerk mit. 15 Schweizer Schwestern sorgten sich um die Erziehung der Mädchen, betreuten die Kranken und besorgten auf verschiedneen Stationen den Haushalt. Tausende von Kindern wurden in 10 staatlich anerkannten Volksschulen unterrichtet und die älteren Kinder, besonders die Mädchen, erhielten in den zehn Armenschulen die notwendigste Ausbildung. Die Zahl der Christen wuchs im Jahr durschnittlich um 1400, die Taufen der Erwachsenen und der Kinder der christlichen Eltern zusammengerechnet. Seit dem Ende der dreißiger Jahre konnten auch die ersten einheimischen Kleriker geweiht werden, die die Arbeit der Benediktinermissionare unterstützten. 1938 wurden außerdem die ersten einheimischen Kandidaten in das Chornoviziat aufgenommen.

Inzwischen aber waren unruhige Zeiten angebrochen: 1931 wurde die Mandschurei von den Japanern besetzt, die den letzten chinesischen Kaiser Pu Yi als Marionette einsetzten. Chinesische und koreanische Widerstandskämpfer lieferten den Japanern Gefechte. Die allgemeine Unsicherheit nutzen bewaffnete Räuberbanden aus, die das flache Land unsicher machten und immer wieder Missionsstationen überfielen. Ein Missionar, P. Konrad Rapp aus St. Ottilien, wurde 1932 von betrunkenen japanischen Soldaten überfallen und ermordet. Auch der Flecktyphus kostete mehrere Missionare das Leben.

Der von den Japanern dominierte mandschurische Staat zeigte sich der Mission gegenüber zunächst wohlgesinnt. Die katholischen Hauptschulen des Gebietes erhielten 1938 die staatliche Anerkennung. Ähnlich wie in Korea gingen die Japaner gegen Ende des Krieges zusehends härter gegen die Mission vor. 1944 wurden die Schulen verstaatlicht und ein Reiseverbot über die Benediktiner verhängt.

Die Nachricht von der Kapitulation Japans im August 1945 wurde von den Koreanern mit großer Freude aufgenommen. Dagegen ahnten die Missionare bereits, daß die drohende russische Besetzung wenig Grund zum Jubel geben werde. Im Kloster wurden Offiziere einquartiert, bei Übergriffen auf die Stationen gab es Tote und Verletzte, die Missionsarbeit wurde immer schwieriger.

Mitten hinein in diese schwere Situation traf aus Rom die Nachricht ein, daß das Missionsgebiet von Yenki am 11. April 1946 zur Diözese erhoben worden war, zusammen mit zahlreichen anderen Kirchensprengeln. Freilich, im Durcheinander dieser Zeit machte das kaum mehr einen Unterschied.

Die sowjetischen Truppen hatten inzwischen mit der Räumung der Mandschurei begonnen. Am 20. Mai stürmten die nachrückenden chinesischen Kommunisten das Kloster und verhafteten Mönche und Schwestern. Sie wurden nach Namping an der koreanischen Grenze verbannt und verbrachten dort zwei Jahre, allerdings weniger bedrängt als die Mitbrüder in Korea, die drei Jahre später verhaftet wurden und von denen viele im Arbeitslager ihr Leben ließen.

Nach zwei Jahren durften die Mönche wieder in die verwüstete Abtei nach Yenki zurückkehren. Sie wurden dort strengen Auflagen unterworfen, die eine Seelsorgsarbeit unmöglich machten. Auch die materielle Not der Gemeinschaft war erheblich. Ein Pater, der in der großen Stadt Harbin untergetaucht war, konnte durch regelmäßige Gewinne beim eigentlich verbotenen Glücksspiel zum Unterhalt der Gemeinschaft von Yenki beitragen. Bischof Theodor Breher, inzwischen schwer krank, sah mit eigenen Augen den Niedergang der zum großen Teil von ihm selbst aufgebauten Mission.

Nach großem inneren Kampf entschloß sich der Bischof, auf einen allmählichen Rückzug der Missionare hinzuwirken. Das innere Martyrium Bischof Theodors begann damit, daß er selbst den kommunistischen Kommandanten der Provinz um Erlaubnis zum Abzug bitten mußte. Die Strategie der mehrjährigen Zermürbung der Mission durch die neuen Machthaber hatte Erfolg gezeigt. Zunächst sollten nur die ältesten und schwächsten Mitbrüder nach Europa zurückkehren, was den anderen ein längeres Ausharren ermöglichen würde. Da keiner den Anfang machen wollte, ging der Bischof schließlich selbst mit der ersten Gruppe zurück, im Herbst 1949. In Europa traf ihn noch ein letzter schwerer Schlag: Papst Pius XII zeigte sich in einer Audienz höchst ungnädig über den Rückzug der Benediktiner und behandelte den alten kranken Bischof lieblos. Bischof Theodor Breher, Gründerabt von Heilig-Kreuz in Yenki und Pionier der Kirche in der Mandschurei, starb am Allerseelentag 1950 mit gebrochenem Herzen.

Der endgültige Zusammenbruch der Mission vollzog sich in Etappen. Nach der Räumung des Männerklosters konnten die Mönche eine Zeit lang im Schwesternkloster unterkommen, und bezogen im September 1950 eine Pfarrei im Westen Yenkis. Im November wurden sie der Stadt verwiesen und fanden letzten Unterschlupf in der Missionstation Baldogu. Im August 1952 wurden die letzten Europäer aus dem Missionsgebiet abgeschoben.

Die einheimischen Mitbrüder, meist Koreaner, konnten sich nach Korea absetzen und halfen später mit, die Abtei Waegwan im Süden Koreas zu gründen. Auch viele der vertriebenen Europäer konnten dort später ihre Arbeit wiederaufnehmen. Der letzte überlebende Konventuale von Yenki war P. Arnold Lenhard, der beinahe hundertjährig 2003 verstarb.

Ein chinesisches Kloster - Xishan

Die Blüte des Benediktinerordens zu Beginn des 19. Jahrhunderts führte auch belgische Benediktiner ins Reich der Mitte. Hinter der Gründung von Kloster Xishan standen zwei Männer, die den Ort nie betreten sollten: der eine war der belgische Lazaristenpater Vincent Lebbe, der 1906 seine Missionstätigkeit in China begann. Er bekämpfte zwei Strömungen, die die katholische Mission in China prägten und die sich als wenig fruchtbar erwiesen: einerseits das westliche Überheblichkeitsgefühl, mit dem mancher Missionar auf die alte und reiche chinesischen Kultur herabblickte, und andererseits die starke Politisierung der katholischen Missionstätigkeit, die nicht selten in den Dienst des französischen (und später auch des deutschen) Kolonialstrebens gestellt worden war. Lebbe setzte sich, gegen viele Widerstände, für eine Öffnung des kirchlichen Lebens zur chinesischen Kultur und für die Errichtung einer chinesischen Hierarchie ein.

Den zweiten Anstoß zur China-Gründung der belgischen Benediktiner lieferte Papst Pius XI., der 1922 Mgr. Celso Constantini als Apostolischen Legaten nach China sandte, der mit Energie die Einwurzelung der Kirche in China betrieb. Vier Jahre später veröffentliche Piux XI. eine Enzyklika, in der er die Rolle kontemplativer Orden bei der Mission hervorhob. Ein ausdrücklicher Auftrag für eine China-Gründung, den er dem  Abtprimas erteilte, blieb zunächst ohne Folgen. Die belgische Kongregation, die sich nach dem 1. Weltkrieg von den Beuroner Benediktinern losgelöst hatte, wollte eine so große Aufgabe nicht übernehmen. 1927 entschloß sich der Abt von Saint André in Brügge im Alleingang zu einer Gründung in China.

Unter den ersten beiden Mönchen befand sich Dom Jehan Joliet, aus der Abtei Solesmes. Er hatte in seiner Jugend als Marineoffizier China kennengelernt und seitdem immer wieder vergeblich versucht, seine Oberen zur Gründung einer chinesischen Niederlassung zu bewegen. Nach über dreißig Jahren Klosterlebens erhielt er die Möglichkeit, seinen alten Plan zu verwirklichen. Die beiden Pioniere begaben sich in die abgelegene Provinz Sichuan im Landesinneren. Dies entsprach Joliets Plänen, denn er wollte ein ganz und gar chinesisches Kloster gründen, fern von der, wie er meinte, „verwestlichten” Kirche an der Küste. Die beiden gründeten das Kloster schließlich in Xishan, in der Diözese Chengdu.

Dom Joliet war, so kann man aus allen Berichten heraushören, kein einfacher Mensch. Seinen visionären Plan eines Benediktinerklosters chinesischer Prägung versuchte er mit Hartnäckigkeit und Zielstrebigkeit durchzusetzen und stieß dabei immer wieder an die Grenzen damaliger kirchlicher Praxis und Rechtsnormen. Auch das Leben der kleinen Gemeinschaft, die nach und nach aus Belgien weitere Mitbrüder als Verstärkung erhielt und bald auch chinesische Kandidaten hatte, wurde durch dieses Spannungen belastet. Als der Abt von Saint André 1933 schließlich einen anderen Prior ernannte, zog sich Dom Joliet in eine Bergeinsiedelei zurück, wo er drei Jahre später starb.

In den folgenden Jahren entwickelte sich das „Kloster der Heiligen Petrus und Andreas” in traditionelleren Bahnen. Eine Klinik und ein Seminar wurden gegründet. Der neue Prior wünschte, daß die Gründung sich als Gelehrten-Zentrum für chinesische Studien etablieren solle. Neu eintreffende Mönche – der Konvent war immer noch sehr klein – wurden deshalb zunächst außerhalb des Klosters untergebracht, um dort das Studium der chinesischen Sprache und Kultur betreiben zu können. Pläne für eine weitere Klostergründung nahe Nanjings, die auch von Dom Cölestin Lou, einem früheren chinesischen Politiker und Diplomaten unterstützt wurden, zerschlugen sich.

Als 1937 der Chinesisch-japanische Krieg heraufzog, geriet das Kloster in weitere Bedrängnis. Etliche Mönche wurden für patriotische und politische Zwecke im Rahmen der Kuomintang-Regierung verwendet: einer übernahm den Posten eines Französisch-Lehrers (und „Hofkaplans”) bei Madame Tschiang Kai-Tschek, der Frau des Generalissimus und Präsidenten der chinesischen Republik, ein anderer betreute die Herausgabe eines französischsprachigen Nachrichtenblattes im Auftrag des Informationsministerium.

Das Kloster selbst wurde 1943 in die Regionalhauptstadt Chengdu verlegt, da die Mönche dort als Dozenten und Lehrer an mehreren Ausbildungsinstituten tätig werden konnten. Hauptapostolat des Klosters sollte nach wie vor die Auseinandersetzung mit der chinesischen Tradition und Kultur sein. Zu diesem Zweck wurde in Chengdu ein Chinesisch-Westliches Forschungsinstitut gegründet. Allerdings forderte dies die beschränkten Kräfte der sechzehnköpfigen Gemeinschaft bis an ihre Grenzen. Kaum einer der Mönche konnte neben den vielen Unterrichtsverpflichtungen die nötige Zeit aufbringen, um sich dem langwierigen Studium der alten chinesischen Literatur und Kultur mit der gebotenen Gründlichkeit zu widmen.

An Weihnachten 1945 zogen die Kommunisten in Chengdu ein. Zunächst konnten die Mönche ihren verschiedenen Aufgaben und Tätigkeiten noch ungehindert nachgehen. Etwa drei Monate später begann die Repressalien gegen die Kommunität, zunächst mit häufigen unangekündigten  Hausdurchsuchungen. Der Versuch, die sechs chinesischen Mönche gegen ihre europäischen Mitbrüder aufzuhetzen, schlug fehl. Ab 1951 wurde Gewalt gegen die Gemeinschaft angewendet. Der Prior kam für drei Monate ins Gefängnis, dann wurde er abgeschoben. Nach und nach traf die anderen Europäer das gleiche Schicksal. 1952 verließ der letzte Benediktiner Chengdu.

Die Gemeinschaft zerstreute sich nicht und kehrte auch nicht einfach nach Europa zurück. Nach einigem Suchen ließen die Mönche sich in Amerika nieder, in Kalifornien, wo sie ein neues Andreaskloster begründeten, die Abtei Valyermo. Die Benediktiner des Klosters halten dort die Erinnerung an ihre chinesischen Anfänge wach. Unter ihnen lebte noch bis vor einigen Jahren Br. Peter Zhou OSB, der 1950 seine Gelübde ablegte und mehr als ein Vierteljahrhundert seines Klosterlebens in Gefängnissen zugebracht hat. 1980 schrieb er, noch in Gefangenschaft, diese Zeilen:

Der Kampf gegen Wind und Frost
Während dieser letzten fünfundzwanzig kalten Winter
Hat Früchte gebracht - offensichtliche Früchte.

Wenn ich meine Gedanken der Vergangenheit zuwende,
Und an die glückliche Zukunft denke, die noch in weiter Ferne harrt,
Dann bin ich voller Kampf.

Was macht es aus,
Wenn die Prüfung noch länger dauert?
Ich werde nur stärker und stärker im Kampf.

Zur Ehre des guten Gottes,
Zur Erlösung der Welt
Wird meine Treue - ein brennender Räucherstab - geopfert.

Zarte Neuanfänge

Die kommunistische Machtergreifung hatte in kurzer Zeit alle drei benediktinischen Männerklöster und die Schwesternhäuser, die in der Mandschurei und in Peking im Gefolge der Mönchsgründungen entstanden waren, vernichtet. Lediglich einige Abteien in Europa und den USA und drei kleine Klöster in Taiwan bewahren die Erinnerung an diese Gründungen.

Neue Hoffnungen begannen sich zu regen, als nach dem Tod Maos im Jahre 1976 die allmähliche Öffnung Chinas begann. Auch das christliche Leben brach wieder auf, zum ersten Mal nicht vom Ausland aus bestimmt. Gläubige, Klerus und ganze Gemeinden hatten trotz schwerer Verfolgung den Glauben bewahrt. Sobald es möglich wurde, traten sie auch in der Öffentlichkeit wieder als Kirche auf, eine Kirche, die in institutioneller Hinsicht geschwächt, aber dafür in ihrer Leitung nun ganz chinesisch war. Auch das Ordensleben hatte im Untergrund überlebt. Zahlreiche Frauenkonvente konnten wiedereröffnet oder neugegründet werden. Den Männerorden allerdings wurde ein Wiederaufleben ihres gemeinschaftlichen Lebens verwehrt. Die Abhängigkeit vieler Ordenshäuser von römischen Generalaten ist den politischen Instanzen ein Dorn im Auge, und die Verlagerung vieler Ordenshäuser nach Taiwan schürte ihr Mißtrauen. Auch die chinesischen Bischöfe haben nicht immer ein drängendes Verlangen nach der Wiedereinführung der Männerorden. Vielen ist noch die alte Missionssituation in Erinnerung, unter der auch die Bischöfe von den Orden abhängig waren. Der Rückkehr der Benediktiner steht zur Zeit noch einiges entgegen. Aber China ist ein Land im Wandel.

Das wiedererstarkte katholische Leben in China hat in den letzten Jahren im ganzen Benediktinerorden ein derartiges Interesse geweckt, das seitens des Ordens kaum einem anderen Land zuteil wird. Eine Folge davon war die Gründung der benediktinischen China-Kommission, zu der alle Gemeinschaften gehören, die weiterhin sich für China engagieren wollen. Bei den jährlichen Kommissionstagung in Sant’Anselmo werden die Projekte miteinander abgestimmt, z.B. Stipendienvergaben für chinesische Priester und Seminaristen, Besuchsreisen nach China und aus China, gemeinsame Projekte mit chinesischen Ortskirchen und manches mehr. Dank der vielen intensiv gepflegten Kontakte mit der chinesischen Kirche wächst dort das Interesse der etablierten Kirchenkreise für das benediktinische Mönchtum. Bischof Zong Huaide, der damalige Vorsitzende der offiziellen chinesischen Bischofskonferenz, zeigte sich schon 1996 sehr beeindruckt vom Leben und Wirken der Benediktinermönche. Bei einem Symposium sagte er, er hoffe, daß es auch in der katholischen Kirche Chinas solche Klöster geben werde. In neuerer Zeit haben mehrere chinesische Katholiken das Klosterleben intensiv kennengelernt, zum Teil mit Unterstützung offizieller Stellen. Die Errichtung von Klöstern ist wohl keine Grundsatzfrage mehr, nur mehr eine Frage der Zeit.

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