Bruder Ezechiel Agaté OSB

Konventualpriorat Agbang (Togo)

 

Über die Verwaltung eines afrikanischen Klosters

im Vergleich zu einem Wirtschaftsunternehmen

 

 

FEzechielVor einigen Jahren hat der Bruder Ezechiel mit großem Erfolg eine Masterprüfung im Fach Soziologie an der Universität Lille abgelegt. Er ist heute Spezialist für die personale und wirtschaftliche Leitung von sozialen Gruppen. Sein Beitrag hier ist anregend. Die lehrreichen Aspekte dieses Beitrags können u.U. auch Klosterkommunitäten die Notwendigkeit einer guten Verwaltung für eine gedeihliche Entwicklung verdeutlichen.

 

Die Zeit ab den sechziger Jahren bis heute ist reich an Informationen über das Klosterleben in Westafrika, besonders auch über die starke Zunahme der Berufungen, die zu zahlreichen Neugründungen geführt hat. Zugleich ist die finanzielle Fragilität der Neugründungen deutlich geworden, d.h. das Problem der Autonomie (englisch: self-sufficiency).

Wenngleich die Hauptsorge eines Klosters eher den spirituellen als den materiellen Problemen gelten sollte, ist es auch angezeigt, sich über die Gründe der Fragilität der Klöster Gedanken zu machen, da das Überleben von Klöstern naturgemäß eng mit ihrer inneren Führung und Verwaltung verbunden ist. Diese Gegebenheit erfordert eine Reflexion über die Verwaltung jener Klöster Westafrikas. Unser Beitrag versteht sich als Analyse und Akzentuierung wesentlicher Prinzipien guter Organisation und Verwaltung, die allgemein für große weltliche Gemeinschaften gelten und auch für Klosterkommunitäten sich als nützlich erweisen können.

Unserem Beitrag ist eine thematische Definition vorangestellt, konkrete Vorschläge werden im Anhang gegeben.

 

Eine Analyse des Begriffs ‚Verwaltung‘

Das Wort ,Verwaltung‘ ist uns allen vertraut. Dennoch bleibt seine Definition schwierig. In der Umgangssprache spricht man von Zeiteinteilung, Personalführung, Geldverwaltung, Ausführung von Projekten, einer guten bzw. schlechten Gruppenführung u.a.m. Allen Redeweisen gemeinsam sind die Begriffe Ausführung, Durchführung, Leitung.

Das Wort Verwaltung hängt etymologisch mit Walten und Gewalt zusammen und bezeichnet auch eine Art von Führung. Es geht dabei um Maßnahmen, die ergriffen werden, um einen intendierten Effekt herbeizuführen, z.B. ein Problem zu lösen oder ein Projekt zu realisieren. Nach Anne Pezet und Samuel Sponem geht es in dabei um die Verwaltung eigener oder fremder Dinge oder Personen, für die man Sorge trägt. Da es sich dabei häufig um Untergebene handelt, hat der Begriff der Verwaltung oft auch den negativen Nebensinn von Autorität, besonders bei der Führung oder Lenkung menschlicher Verhaltensweisen. Der Gegenstand der Führung oder Lenkung ist stets eine Sache oder der Mensch.

Wie man aus dem bisher Gesagten ersieht, hat der Begriff der Verwaltung (englisch: management) ein weites Anwendungsfeld und deckt sich in der Umgangssprache gelegentlich mit Nachbarbegriffen wie Leitung, Aufsicht, Organisation u.a. Natürlich gibt es zwischen den einzelnen Begriffen Abstufungen und Nuancen. Das Wort Regierung dagegen ist fast ausschließlich dem politischen Bereich vorbehalten und meint speziell die exekutive Staatsgewalt.

Es bleibt aber festzuhalten, dass der Begriff der Verwaltung keineswegs nur finanzielles Kalkulieren und Rechnen meint. Es geht vielmehr um die Gesamtheit der verschiedenen Aspekte der Verwaltung von Personen u n d Sachen. Es gilt, die verschiedenen Aspekte zu bedenken und zu kombinieren, um ein Maximum des intendierten Effekts zu erzielen. Der gesamte Prozess der Verwaltung zerfällt in die Teilgebiete Planung, Organisation, Leitung und Kontrolle.

 

AgbangDie Planung

Robbins und De Cenzo zufolge ist die Planung „die Phase des Gesamtprozesses, die die Definition der Zielsetzung, die Herausarbeitung einer Strategie und die Entwicklung von Plänen zur Koordinierung der Aktivitäten umfasst“. Diese Phase betrifft also die Ziele gleichermaßen wie die Mittel. Sie kann in schriftlicher oder gedanklicher Form erfolgen. Die Definition der Ziele erfordert allerdings eine gute Kenntnis dessen, was man zu erreichen sucht, das heißt eine klare Vorstellung von der verbesserten Zukunft. Um eine Vorstellung dieser zu gewinnen, könnte man sich etwa folgende Fragen stellen: Welche erklärten oder latenten Bedürfnisse, deren Abhilfe unser gegenwärtiges Leben verändern würde, möchte ich für meine Gruppe (Kommunität) in naher oder ferner Zukunft ins Auge fassen? Ist dies meine persönliche Aufgabe, wenn nicht, was ist meine Aufgabe? Was benötige ich zur Ausführung dieses Vorhabens? Die Antworten auf diese Fragen erlauben die Fixierung zunächst allgemein gefasster, in der Folge näher zu präzisierender Ziele. Diese Ziele müssen nicht nur präzis, sondern auch „smart“ sein, d.h. spezifisch, messbar, finanzierbar, zeitlich erreichbar.

In dieser Phase geht es also darum, Pläne zu entwickeln und Normen aufzustellen. In diese Phase gehören auch die finanziellen Vorgaben und Erwartungen, Investitionspläne, Sonderbudgets u.a.m. hinein. Es geht darum, was zu tun ist, in welcher Zeit und mit welchen Mitteln. Bedürfnisse, Angemessenheit, Durchführbarkeit sind abzuschätzen. Die Planungsphase ist also die Basis jeder guten Durchführung. Eine solche Planung zeigt den übrigen Mitgliedern der Gruppe die Richtung an, sie reduziert die Unsicherheit (ohne sie allerdings ganz auszuschalten), verhindert unvorhersehbare Überraschungen für die Gruppenmitglieder, vermeidet unangenehme und dauerhafte Schädigung der Umwelt. Durch eine gute Planung werden auch überflüssige Maßnahmen vermieden, dank einer hierarchisierten Koordination vor der Durchführung. Die Planung ist die Voraussetzung einer zielgerichteten Durchführung, nachdem allgemeine Zielsetzungen in spezifische oder personenorientierte umgesetzt wurden. Es ist kann sogar von Nutzen sein, eine gesunde und gerechte Abstufung der Gruppenmitglieder schon in dieser frühen Phase zu erstellen.

Trotz dieses allgemein anerkannten Nutzens dieser Planungsphase wird diese Phase dennoch häufig kritisiert wegen mangelnder Flexibilität, wenn plötzliche Veränderungen geboten erscheinen. Jede gute Planung muss daher auch von einem Entscheidungsprozess begleitet sein, der darin besteht, auftretende Probleme zu identifizieren, Kriterien zu gewichten, Optionen vorzunehmen und bei der Entscheidung zu berücksichtigen. Es ist besser, sich für die Entscheidung Zeit zu lassen als übereilt oder emotional zu entscheiden. Jede verfehlte Entscheidung wird der in der Zukunft derjenige am meisten bedauern, der sie getroffen hat, ohne alle übrigen Vorgaben zu beachten. Durch jede überlegte Entscheidung werden dagegen die Menschen und die zur Verfügung stehenden Ressourcen am meisten geschont.

 

Organisation

Als Organisation bezeichnet man den Teil des Gesamtprojekts, der nach A. Robbins A. DeCenzo der Strukturierung des Projekts gewidmet ist. Sie bezeichnet die Rollen und die Verantwortlichkeiten der Beteiligten. Hier werden die Verhaltensregeln aller festgelegt und das Maß ihrer Einflussnahme und Entscheidungskompetenz bestimmt. Es erweist sich als notwendig, dass alle Beteiligten genau darüber orientiert sind, wer für einen jeden Bereich zuständig ist. In dieser Phase muss ein jeder sich in selbstloser Weise fragen, ob er der richtige Mann für eine gewisse Aufgabe ist oder nicht (entsprechend der englischen Redensart ,the right man at the right place‘). Es liegt an den einzelnen Beteiligten selbst, ob sie zu einer wahren Equipe zusammenwachsen oder Einzelkämpfer bleiben. Teamgeist ist gerade auch im Kloster unabdingbar. Wir müssen mit Richard Templar daran erinnern, dass eine Equipe „ein organisiertes Ganzes darstellt mit seiner besonderen Dynamik, seinen Qualitäten und Regeln, das gebildet wurde um Höchstleistungen zu vollbringen“. Und es ist auch nicht überflüssig zu bedenken, dass es in einer Equipe sehr unterschiedliche Mitglieder geben mag, die alle ihre besonderen Fähigkeiten einbringen möchten. Das Verdienst des obersten Verantwortlichen wird darin bestehen, für Ausgleich und Zielorientierung zu sorgen. Wie C. Stengel sagt: „Es ist leicht, gute Spieler zu finden, die Schwierigkeit besteht darin, sie zusammenspielen zu lassen“.

Um dieses zu erreichen, gilt es, die Spieler so zu platzieren, dass ein jeder in dem Nachbarn sein Gegenstück bzw. seine eigene Ergänzung findet. Also muss der Gesamtverantwortliche genau seine Spieler und deren Mitspieler kennen, damit jeder am richtigen Platz ist. Nach R.M. Belwin gibt es sehr verschiedene Rollen, die bei einem Projekt zu verteilen sind: Es gilt zu entwerfen, zu fördern, voranzutreiben, zu koordinieren, wertzuschätzen, zu unterstützen, zu organisieren, zu perfektionieren, zu berichtigen u.a.m. Dabei muss ein jeder an dem ihm entsprechenden Platz stehen. Die Kenntnis und Berücksichtigung der einzelnen Kompetenzen bzw. Limitationen ist entscheidend für den Gesamterfolg.

Bei der Realisierung eines Vorhabens muss jeder Beteiligte genau wissen, was er zu tun hat, wann er es zu tun hat und was von ihm erwartet wird. Wenn sich jeder am richtigen Platz weiß, wird er sich auch nützlich fühlen. Er ist sich bewusst, dass der Nachbar einen anderen Platz einnimmt, den er selber nicht ausfüllen könnte. Es wird ein Gefühl der Komplementarität und des gegenseitigen Respekts unter den Mitgliedern der Gruppe oder Kommunität entstehen. Nur wenn diese Organisation gut durchgeführt wurde, wird die Gehorsamspflicht auch zum gewünschten Erfolg führen. In diesem Sinn ist es auch nicht überflüssig, daran zu erinnern, dass unser Gehorsamsgelübde (wie auch die beiden anderen) von Vorteil für eine gute Klosterverwaltung ist. Auf der anderen Seite kann eine schlechte Organisation zu Ungehorsam führen, der letztlich niemandem dient. Ein großer Teil der Regel ist daher in diesem Sinn der guten Organisation und Verwaltung des Klosterlebens gewidmet. Der hl. Benedikt besteht daher auch darauf, dass der zweite Mann im Kloster, der Prior, vom Abt ernannt wird, damit eine enge Zusammenarbeit auch in der Klosterleitung garantiert ist.

Alles, was bisher zu den personalen Fragen ausgeführt wurde, trifft auch auf die materiellen Fragen zu. Ein für eine besondere Investition bestimmter Geldbetrag etwa darf nicht für laufende Ausgaben zweckentfremdet werden oder umgekehrt, will man nicht das Risiko eines finanziellen Ungleichgewichts eingehen, das das Leben der ganzen Kommunität beeinträchtigen kann. So sagt auch ein afrikanisches Sprichwort: ,Man malt kein Schwarz über Schwarz und kein Weiß über Weiß; jedes der beiden braucht das andere, um hervorzutreten‘. In gleicher Weise darf niemand im Kloster nur seine eigenen Interessen im Sinn haben. Alle Brüder müssen in die gleiche vorgegebene Richtung schauen.

 

Die Leitung

Weiterhin nach Stephen Robbins und Davis DeCenzo besteht die Leitung in dem Teil des Gesamtprozesses, der die Animierung der Personen, die Lenkung und Überprüfung der Aktivitäten der Mitarbeiter, die Wahl des geeigneten Kommunikationskanals und die Lösung von Konflikten umfasst. Dieser Teil der Durchführung ist sehr stark von der Person des Leitenden abhängig. Nach guter Planung und erfolgreicher Organisation obliegt es dem Gesamtverantwortlichen, seine ganze Kompetenz und auch seine Überzeugungskraft zu nutzen, um jeden Einzelnen und alle gemeinsam zum intendierten Ziel zu führen. Er muss seinen Mitbrüdern die Gelegenheit bieten, ihre eigenen Fähigkeiten zu beweisen und zu erweitern und ihre Leistung bei jedem neuen Arbeitsauftrag zu verbessern. Er muss jedem Einzelnen zuhören und sich für ihn interessieren. Er muss für ein stimulierendes Klima sorgen, indem er zeigt, wie sehr ihm an den einzelnen Beiträgen liegt und wie sehr sie zum Wohl der ganzen Kommunität beitragen. Er wird auch darauf dringen, dass die einzelnen Gruppenmitglieder an der Sichtbarmachung von Schwachstellen beteiligt werden, und mögliche Verbesserungen anregen, wie es auch die Regel des hl. Benedikt vorsieht (Kap. 3, 1-4).

Der Gesamtverantwortliche wird natürlich Acht geben, dass die Zielsetzung gewahrt bleibt und die einzelnen Mitarbeiter weiterhin überzeugt sind, dass ihre beständige Arbeit die gesamte Unternehmung zum Erfolg führt. Er hat auch für die Ausgewogenheit der zugeteilten Aufgaben zu sorgen. Zu einem großen Teil hängt der Erfolg auch von seiner eigenen Führungsfähigkeit (leadership) ab. Er kann nicht nur auf seine eigene Ehrenhaftigkeit vertrauen (die die Voraussetzung für den Enderfolg ist), gefordert sind vielmehr auch Fachkenntnis und technisches Wissen sowie spirituelle Qualitäten wie Ehrlichkeit, Loyalität, Kohärenz im Verhalten und im Urteil, ohne die Bereitschaft zu vergessen, frei seine Ideen und notwendige Informationen weiterzugeben. Ein Leiter ist es sich schuldig, so weit wie möglich Transparenz zu zeigen, nichts im Geheimen zu tun; so wird er seinen Mitarbeitern bzw. seinen Mitbrüdern das nötige Vertrauen einflößen. Diese müssen zu jeder Zeit auf ihn zählen können, das bedeutet, dass er seine Versprechungen halten und die ihm vertraulich gemachten Informationen nicht weitergeben wird. Daher ist es bedeutsam, dass er das Vertrauen und den Respekt seiner Mitarbeiter gewinnt, indem er sich verlässlich und respektvoll ihnen gegenüber zeigt. Er muss nicht nur selber redegewandt sein, sondern auch anderen zuhören können und sein Interesse an ihnen bekunden. Vor allem aber, und dies ist das entscheidende Kriterium des Mannes, dem die Leitung einer Personengruppe anvertraut wurde, muss er sich in der Lage zeigen, für Konflikte aller Art, die unvermeidlich sind, eine glückliche, unparteiische Lösung zu finden, die im Interesse aller Beteilgten liegt.

Nachdem wir nun gut geplant, gut organisiert und gut geleitet haben, sind wir dennoch noch nicht am Ende unserer Arbeit angekommen. Es bleibt noch die Aufgabe der Verifizierung.

 

Die Kontrolle

Die Überprüfung oder Kontrolle ist nach S. Robbins und D. DeCenzo die letzte Phase des Verwaltungsprozesses. Es geht jetzt um die Überprüfung der bisher geleisteten Arbeit im Hinblick auf ihre Konformität mit den erklärten Zielen. Diese Kontrollphase darf jedoch keinen Zwangscharakter oder den Charakter einer Polizeiaktion haben. Es kann nur um Sicherheit und kleinere Korrekturen gehen. Die von uns oben hervorgehobene Notwendigkeit des Vertrauens zwischen dem Gruppenleiter und seinen Mitarbeitern ist auch in dieser Phase der Verifizierung nicht gefährdet. Denn das Vertrauen schließt keineswegs die Überprüfung aus, wie es etwa der bekannte Satz Lenins nahelegen könnte: >Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser<, der einen Gegensatz zwischen beiden Begriffen herzustellen sucht.

Die Kontrolle, von der hier die Rede ist, besteht in der Verifizierung, ob das ursprünglich geplante Ziel auch tatsächlich erreicht wurde, um ggf. noch Modifikationen und Korrekturen anbringen zu können. Dabei ist auch zu bedenken und sicherzustellen, dass die übertragene Machtkompetenz in keiner Stelle missbraucht wurde.

Das Fehlen jeder Art der Kontrolle führt unweigerlich zum Misserfolg. Bei Klostergemeinschaften ist die Kontrolle besonders notwendig, da das Vertrauen, das in jedem Kloster oberstes Prinzip sein sollte, umso leichter zu Fehlverhalten führt kann.

Es gibt mehrere Aspekte bei der Durchführung der Kontrolle. Man unterscheidet zunächst die Kontrolle der Vorgehensweisen, die die Autorität des Kontrollierenden voraussetzt und die Normen, Regelungen und Verfahrensweisen ins Auge fasst. Es geht dabei um drei verschiedene Etappen:

zunächst um das Maß der Leistung oder des Ertrags; das Wort Maß wird hier bewusst verwendet, denn nach H. Michal „kann man nichts beurteilen, was man nicht messen kann“.

Das Messen von erbrachten Leistungen verwendet vier unterschiedliche Informationsquellen: die persönliche Beobachtung, den Rückgriff auf Erfahrungsdaten, mündliche Berichterstattung und schriftliche Aufzeichnungen. In diesem Zusammenhang sei kurz eingefügt, dass es ist für Klosterkommunitäten unerlässlich ist, bei Finanzangelegenheiten Buch zu führen, um später Auskunft erteilen zu können – Auskunft an Mitbrüder, an den Leiter der eigenen Kongregation, vor allem auch an Wohltäter oder Finanzpartner. Es geht letztlich um die erwünschte Konsolidierung und Stärkung der partnerschaftlichen Beziehungen.

Nach dem Vergleich der erbrachten Leistung mit den Referenzwerten und den im Voraus anvisierten Zielen muss ggf. die Analyse und die Korrektur der Abweichungen von denselben erfolgen oder sogar die Revision der genannten Ziele vorgenommen werden.

Eine Kontrolle vorzunehmen bedeutet aber auch, an Ort und Stelle mit dem Betroffenen zu reden, Gründe für Erfolg und Misserfolg herauszufinden. Es gilt, dem Betroffenen eine Antwort (feedback) auf sein Verhalten und seinen mündlichen oder schriftlichen Bericht zu geben. Besondere Priorität kommt bei jedem Unternehmen und jeder Gemeinschaft der Überprüfung der Vorräte, der Verkäufe, der Ausgaben und der Einnahmen zu. In Klostergemeinschaften sollte ein regelmäßig erstellter Wirtschaftsbericht dem Abt oder dem Ökonomen vorgelegt werden.

Da die Kontrolle für jede Form der Verwaltung unerlässlich ist, sollte sie in ihrer positiven Zielsetzung als Instrument der Reorientierung von Verhaltensformen unbedingt erhalten bleiben. Vernünftige Normen und Kriterien sind im Voraus zu erstellen, im Nachhinein ist festzustellen, ob sie erreicht wurden bzw. unerreichbar waren. Selbstverständlich sind alle Zielsetzungen und die Vorgehensweisen auch durch die Natur des Gegenstandes bedingt.

 

Ein Wort zur Durchführung eines Projekts

Die Durchführung eines Projekts schließt alle bisher erläuterten Phasen ein: die Planung, die Organisation, die Leitung und die Kontrolle im Hinblick auf ein intendiertes Ergebnis. Merken wir an, dass die Leitung (Koordination) und die Kontrolle dem Projektleiter obliegen. Die Überwachung besteht vor allem in der täglichen Nachbereitung sämtlicher Aktivitäten, um eine gewissenhafte Durchführung zu gewährleisten. Die Kontrolle besteht wiederum in dem Vergleich der erzielten Ergebnisse mit den anvisierten Zielen und eventuellen nachträglichen Korrekturen. Selbstverständlich kann es keine solche Überprüfung geben, wenn zuvor keine Planung des Unternehmens erfolgte.

Es ist Aufgabe des Projektleiters, die einzelnen Einheiten des Gesamtprojekts im Voraus zu planen. Ebenfalls im Voraus wäre der Umfang des Projekts festzulegen und der erwarte Nutzen desselben abzuschätzen, denn jedes Projekt sollte einen gegenwärtigen Zustand durch einen besseren ersetzen. Man wird keine Kirche bauen um der Freude am Bauen willen und keinen Traktor kaufen, wenn kein Bedarf vorliegt. Der Bedarf muss gegeben sein, um ein Projekt sinnvoll er scheinen zu lassen.

Um ein Projekt zu einem guten Ergebnis zu führen, muss der Durchführung eine Studie über die Machbarkeit vorausgehen. Wenn die Machbarkeit gesichert ist, tritt man in die Phase der Planung ein, in der die verschiedenen Arbeitseinheiten festgelegt und den zu beteiligenden Personen zugewiesen werden. In dieser Phase ist der Rückgriff auf Experten und ihr Fachwissen in den meisten Fällen unvermeidlich. Bei der Durchführung kann nach dem Prinzip vernünftiger Arbeitsteilung die Leitung auch einem Komitee von Leitern übertragen werden, die jeweils für einzelne Bereiche zuständig sind. Es ist ratsam, die Nachbereitung in die Hände von Fachleuten zu legen, die den Erfolg des Projekts am besten beurteilen können. Bei großen Firmen gibt es ganze Kontrollbüros, die aus der Durchführung die Lehren für die Zukunft ziehen.

Was ist nun im Einzelnen zu kontrollieren? Nach der angelsächsischen Methode Prince gibt es sechs Bereiche, die zu überprüfen sind. Hier eine summarische Auflistung:

Die Kosten: Es wird immer Veränderungen und Überraschungen geben, die das ursprüngliche vorgesehene Budget verändern. Diese Grundwahrheit ist bei der Planung zu bedenken. Die Dauer: Das Problem der Verzögerung beim Beginn des Projekts stellt sich sehr häufig; es kann das Verhältnis zwischen den Beteiligten negativ beeinflussen.

Die Qualität: Wenn vorgesehene Mittel oder Zeit eingespart bzw. anders verwendet wurden, werden die Durchführung und die Qualität des Ergebnisses darunter leiden.

Der Umfang der erwarteten Leistung: Es ist unabdingbar, die erwarteten Leistungen genau zu definieren. Wenn ein Kloster beispielshalber eine neue Kirche bauen lässt, muss zuvor eindeutig geklärt werden, ob die Sonorisierung (Beschallung) in den Baukosten eingeschlossen oder zusätzlich zu bezahlen ist.

Die Risiken: Professionelle Projektmanager empfehlen dem Projektleiter, in jeder Phase der Durchführung die materiellen und personalen Risiken ständig im Auge zu behalten. Die Risiken können materialinhärent oder durch falsche oder unangemessene Verwendungsweisen bedingt sein. Menschliches Versagen ist ebenfalls niemals auszuschließen. Nachdem die Risiken erkannt sind, gilt es, wachsam zu sein, um ihre Wirkung eventuell zu reduzieren oder sie ggf. einer Versicherungsgesellschaft zu übertragen. Oft ist zu beobachten, dass Risiken von Mönchen unterschätzt werden, da sie selber im Vertrauen auf Gott leben. Sich allein auf die Vorsehung zu verlassen, kann sich jedoch als gefährlich erweisen.

Der erwartete Nutzen: Es hat gar keinen Sinn, sich für ein Projekt einzusetzen, von dem man weiß, dass es später undurchführbar bzw. nutzlos sein wird. Wenn ein beständiger Nutzen nicht zu erwarten ist, sollte ein Projekt aufgegeben und die entsprechenden finanziellen Mittel sollten eingespart werden. Beispielshalber sollte die Planung eines Klosters aufgegeben werde, wenn zweifelsfrei feststeht, dass in der Nähe keine verfügbare Wasserstelle existiert.

Der uns zur Verfügung stehende Raum erlaubt uns leider nicht, zu den einzelnen Aspekten weitergehende Ausführungen zu machen. Die Wissenschaft stellt aber ungezählte Werke zu jedem Aspekt zur Verfügung. Ich möchte nur dazu auffordern, diese Werke zur Hand zu nehmen oder sich an einen Fachmann zu wenden, um ausführliche Antworten zu bekommen.

 

Abschließende Empfehlungen

Der Begriff der Verwaltung ist eng mit dem Leben und den Aktivitäten von Menschen verbunden. Jeder verwaltet irgendetwas in irgendeiner Form an jedem Tag (Geld, Zeit, Arbeitspensum u.a.m.). Die Qualität unserer Verwaltung ist durch die Weise bedingt, in welchem Grad wir die vier Aspekte Planung, Organisation, Leitung und Kontrolle bedenken. Äbte, Ökonomen, Novizenmeister, Novizen, Projektleiter, Mönche, Staatspräsidenten u.a. sie alle haben Verwaltungs- oder Führungsaufgaben, wie es auch der hl. Benedikt betont: „Wer also den Namen Abt annimmt, muss seinen Jüngern in zweifacher Weise als Lehrer vorstehen“ (RB 2,11).

Unser eigener Leib ist der erste Gegenstand unserer Verwaltung. Jeder von uns sollte sich bewusst sein, dass auch er Verwalter ist; er sollte die vier Hauptaspekte einer jeden Verwaltungsform im Sinn tragen. Denn kein einzelner Mensch, keine Gruppe von Menschen kann ohne gesunde Verwaltung bestehen. Auch die Klöster, besonders jene im Westen Afrikas, müssen sich um eine gute Verwaltung bemühen, um nicht viel versprechende Projekte zu verfolgen, die am Ende nur magere Ergebnisse hervorbringen.

Ein gut verwaltetes wirtschaftliches Projekt kann allein schon die wirtschaftliche Lage eines Klosters verbessern und auch zur spirituellen Ausstrahlung eines Klosters beitragen. Daher raten wir, bei jedem Vorhaben sich Zeit zu nehmen für die Prüfung der Frage, ob das Projekt machbar, finanzierbar und einträglich ist. Nach diesen Vorfragen gilt es dann, gründlich zu planen und zu organisieren, die implizierten Mittel und Personen zu bedenken, die einzelnen Schritte vom Anfang bis zum Schluss festzulegen nach einem durchdachten und von allen akzeptierten Plan. Eine eindeutige und klare Aussprache über die Vorstellungen, die man von einem Projekt hat, über den Nutzen, den es einbringen soll, und die Wege, die zum zu dem angestrebten Ziel führen, ist eine der Vorbedingungen des Erfolgs. So wird die Strategie des >me, too> vermieden, d. h. dass man ein Projekt anfasst, nur weil ein ähnliches auch von anderen ins Auge gefasst wurde. So eine Motivation wird nie zum Erfolg führen. Eine letzte Empfehlung richtet sich an die Verantwortlichen von Gemeinschaften: Es wird empfohlen, von Zeit zu Zeit Veranstaltungen über die Verwaltung von Dingen und die Führung von Menschen unter die Fortbildungsmaßnahmen aufzunehmen. Denn vieles hängt auch von einer guten Verwaltung und Führung ab!