IFHIM: Institut für ganzheitliche Menschenbildung,

Montreal (www.ifhim.ca)

 

Welche Vorteile kann ein Studium am IFHIM fürs Klosterleben bringen?

Ein erster Vorteil ist unbestreitbar eine bessere Selbstkenntnis. Meine Ausbildungszeit beim IFHIM hat mir ermöglicht, die ersten Anzeichen von Erschöpfung zu erkennen und früh zu reagieren, d.h. vor dem eigentlichen Zusammenbruch. Das Gleiche gilt für die Anzeichen von Erregung, Verärgerung, Ungeduld und von allem, das meine Beziehung zu den Mitmenschen stört. Ich bin heute in der Lage, einige meiner Reaktionen vorauszusehen, zum Beispiel die Weigerung zuzuhören oder die Versuchung, eine verletzende Antwort zu geben. Ich kann mich heute zurückhalten, mir selbst ,Stopp sagen, um eine Haltung der Annahme und des aufmerksamen Zuhörens einzunehmen. Für das Leben in der Klostergemeinschaft verändert das alles!

Ich habe ebenfalls zu erkennen gelernt, was positiv in mir ist, das, worauf ich mich stützen kann: meine Kompetenzen, meine Vorzüge, all das, was ich meiner Kommunität schenken kann, ohne Überheblichkeit und Eitelkeit; ich möchte nur unentgeltlich das weitergeben, was mir selber unentgeltlich geschenkt wurde.

Darüber hinaus habe ich gelernt, eine differenziertere Sicht von den Mitmenschen zu haben und nicht alle in den gleichen Sack zu stecken. Ich vermag heute zu sehen, dass mein Gegenüber anders ist, als ich es bin; ich sehe heute die Verschiedenheit der einzelnen Personen auf Grund ihres Wesens, ihres Alters, ihrer Erziehung, ihrer Kultur, ihrer bisherigen Lebensbedingungen und Erfahrungen. Diese neue Sichtweise hat mir sehr geholfen, andere anzunehmen, ihre Reaktionsweisen in gegebenen Situationen zu verstehen, kein vorschnelles Urteil abzugeben, mein eigenes Verhalten dem ihren anzupassen. Diese Fähigkeit ist ebenfalls wertvoll für das Zusammenleben in der Gemeinschaft und die Arbeit in der Gruppe. Auf der anderen Seite habe ich auch gelernt, das zu sehen, was wir Menschen alle gemeinsam haben, was auch immer unsere bisherige Erfahrung, unsere Kultur, unsere Erziehung gewesen sein mag.

Die Jahre, die ich im Kontakt mit diesem Institut zugebracht habe, sind Jahre bereichernder Erfahrungen für mich gewesen: Ich habe Kehrtwendungen um 180° gemacht, Tag und Nacht mit Anwärtern aus fremden Kulturen gelebt, meinen Horizont erweitert, mich für andere geöffnet.

Äbtissin Isabelle Valez OCSO, Abtei Igny (Frankreich)

 

Vertieftes Verständnis benediktinischen Charismas

Das Institut IFHIM hat mir geholfen, in das konkrete Denken des hl. Benedikt einzudringen, es zu verstehen und anzunehmen. Es hilft mir, Licht in meinen dunklen, zum Teil schwierigen Alltag zu bringen, einen Weg zur Freiheit zu entdecken – bei jeder Beschäftigung, bei jeder Entscheidung, bei jedem Schritt zum Wohl anderer. Es hilft mir, den Spuren unseres Herrn zu folgen und meine Freude im Dienst für den Nächsten zu finden. Dabei zählt die Herausforderung, die es anzunehmen gilt, kaum: ein Bruder, der in Zorn gegen mich geraten ist, eine langweilige, unangenehme Aufgabe, die zu übernehmen ist, oder ein scharfer, eindringlicher Befehl, der auszuführen ist. Ich finde heute in mir die freudige Bereitschaft, mich mit allen Kräften für die anderen einzusetzen. Welches Glück, heute dort Freude zu empfinden, wo man früher nur Schmerz und Forderung empfand!

Das Institut IFHIM gibt mir aber noch viel mehr: ein Ziel, eine Orientierung, eine Leitlinie zur Erfüllung meiner Berufung! Während ich als junger Mönch einen Orden als etwas Armseliges, Vielverlangendes ansah, hat das Institut mich gelehrt, alle Möglichkeiten des Ordenslebens zu erkennen und anzunehmen – meinen Mitbruder, meine Kommunität, meinen Orden, andere religiöse Orden, andere Kommunitäten – alles was sie mir und der Welt geben. Das Institut hat mir den Reichtum der Personen und der Welt aufgezeigt und mich die Schönheit der Menschheit zu sehen gelehrt.

Somit hat das Institut mein Charisma als Mönch wieder neu entflammt. In mir brennt ein Feuer der Hoffnung und der Liebe, das mich zu meinen Brüdern drängt. Ich werde mehr und mehr zu einem Mönch mit missionarischer Gesinnung. Nach außen hin bin ich ein einfacher, unscheinbarer Mönch geblieben, aber auch jemand, der trotz seiner Schlichtheit und Demut die ganze Welt zu tragen vermag.

Frater Pierre-Marie OCistAbtei Rougemont (Québec)