P. Peter Eghwrudjakpor OSB
Prior des Klosters Ewu-Ishan (Nigeria)

Der Appell an die Nächstenliebe darf nicht
Schwächen in der Verwaltung verdecken!

 

Ein Kloster hat zwar wesentlich einen spirituellen Charakter, muss aber auch die materiellen Interessen sehr ernst nehmen

 


Dieser Vortrag wurde auf der letzten Sitzung der AIM gehalten. Er stellt ein nützliches Echo aus der Alltagspraxis eines afrikanischen Klosters dar, das seit seiner Gründung nach schmerzlichen Anfangserfahrungen großen Wert auf eine gute Verwaltung gelegt hat. Der Prior des Klosters, der Bruder Peter, ist Mitglied der AIM und macht sich hier zum Sprecher in eigener Sache.

 


PPeter„Benediktinertum meint gute Wirtschaftsführung“ Diese Erklärung wurde in lässigem Ton von einem Abt auf einem Generalkapitel unserer Kongregation abgegeben. Diese Worte erschienen mir und anderen damals eher humorvoll gemeint, so dass wir darüber lachten. Für mich stellt dieser Satz aus heutiger Sicht eine wahre und sehr ernst zu nehmende Aussage dar. Der hl. Benedikt ist aus meiner heutigen Sicht der Vater einer guten Verwaltung. Ich habe diesen Satz stets strategisch eingesetzt, wenn Mitbrüder sich abgeneigt zeigten gegen die Verwaltung materieller Dinge oder die Inangriffnahme neuer Projekte.

Wenn man sagt, der hl. Benedikt sei der Vater guter Verwaltung, bedeutet das nach meinem Dafürhalten so viel, dass der hl. Benedikt den wirtschaftlichen Initiativen seiner Mönche die gleiche Bedeutung beimisst wie ihren spirituellen Aufgaben. In der Tat besagt die Regel, alle Waren und sogar Geräte seien wie „heiliges Altargerät“ zu betrachten (31,10). Dies ist eine bedeutsame Vorschrift. Sie macht deutlich, dass der hl. Benedikt der körperlichen Arbeit die gleiche Bedeutung beimaß wie den spirituellen Aufgaben der Mönche. Das entspricht ganz seinen präzisen und detaillierten Vorschriften für die Behandlung und Instandhaltung sämtlicher Werkzeuge, Materialien und Geräte nach der Beendigung eines Auftrags oder einer zugeteilten Arbeit oder am Ende eines Offiziums. Alles muss sorgfältig im Haus Gottes verrichtet werden, das ist bedeutsam. Nichts darf unbedacht hingenommen oder nachlässig oder verantwortungslos behandelt werden.

Für den hl. Benedikt gestattet das Leben in Zurückgezogenheit keine Nachlässigkeit im Verhalten, es ist kein Freibrief für Inkompetenz, wie man dies gelegentlich annehmen mag. Es obliegt dem Klostervorsteher festzustellen, ob die für das gute Funktionieren des Klosters notwendigen elementaren Kompetenzen und Fähigkeiten bei seinen Mönchen vorhanden sind. Auch bei der Wahl eines Abtes sind umgekehrt für die Mönche gewisse Qualitäten und Kompetenzen des Kandidaten zu beachten (RB 64). Abgesehen von der guten Kenntnis der heiligen Schrift sollte, so glauben wir hinzufügen zu dürfen, jeder Abt zumindest Grundkenntnisse von einer guten Wirtschaftsführung besitzen und über Rechenfertigkeiten und Urteilsfähigkeit verfügen.

Die Devise „Benediktiner sein, bedeutet, gut zu wirtschaften“ schließt also aus, dass im Kloster gewisse Vorhaben oder Projekte wie ein Zeitvertreib betrachtet oder nach der Art eines Wohltätigkeitsvereins ausgeführt werden.

 

Die Anfänge unseres Klosters

In den Anfängen unserer Klostergeschichte war alle wirtschaftliche Tätigkeit auf die Landarbeit gerichtet. Denn es ging nur darum zu überleben. Wir brauchten Nahrung. Die Pioniermönche, die aus Irland und England gekommen waren, begannen ihr Dasein hier ohne Verwaltungskenntnis und Haushaltsplan. Sie verfügten über keine finanziellen Mittel, als sie sich für die Neugründing an der heutigen Stelle entschieden. Diese Mönche verließen sich allein auf die Gnade Gottes.

Sie waren gesunde, heiligmäßige Männer. Wie haben sie es nur angestellt zu überleben? Sie haben Bücher kommen lassen und verteilt, in der örtlichen Verwaltung mitgeholfen, sich in der Volksbildung betätigt, Unterricht erteilt u.a.m.. Sie taten eben alles, um ein bisschen Geld zu bekommen. Für sie war die Landwirtschaft wie die rettende Gnade, auch wenn es sich nur um eine kleine Anbaufläche handelte, wie damals üblich.

Aber es gab auch Momente, in denen sie sich versammelten, um festzustellen, dass die vorhandenen Gelder nicht ausreichten, um die Kommunität am Leben zu halten, und dass sie dem Verhungern nahe waren. Dann reisten sie von einem Ort zum anderen, nach Frankreich und in andere Länder, und bettelten überall um Geld, um nicht vor Hunger umzukommen. Gleichzeitig mussten sie aber auch das Feld bestellen, nicht nur um der Nahrung halber. Ein zweiter Grund war die Missgunst der Ortsbewohner: Wenn sie das Feld nicht bestellten, liefen sie Gefahr, es zu verlieren. Die Dörfler drohten den Mönchen ständig, sie zu enteignen, denn das Land war ihnen ursprünglich als Geschenk überlassen worden.

 

Neue Wege

Die zweite Hälfte der Geschichte unseres Klosters ist gezeichnet durch die Beschreitung neuer Wege.

lemon-grassZu dieser Zeit gab es in unserem Kloster kaum noch ausländische Mönche, und die jungen nigerianischen Brüder, die langsam die Verantwortung für den Unterhalt des Klosters übernahmen, wussten nicht, welche Wege Ihnen offenstanden. So ergab sich die Suche nach Lösungen aus der Kommunität selbst und wurde nicht von außen aufgedrängt. Es handelte sich praktisch um Maßnahmen, die aus der Not geboren wurden. Wir mussten einfach überleben, auch wenn die finanziellen Mittel sehr beschränkt waren und nur mit größter Zurückhaltung in Anspruch genommen werden durften.

Es kamen sehr viele Ideen für Projekte auf, die Gewinne hätten abwerfen können, aber wir sahen immer wieder, dass unsere Pläne unseren Mitteln angepasst werden mussten. So hieß es zwangsläufig, ganz klein anzufangen.

Es konnte nur darum gehen, aus unseren Kompetenzen Geld zu machen. Aber wie? Wie konnten wir diesen Austausch zuwege bringen? Wie sollten wir die Bedürfnisse unserer Umwelt erfahren? Damals wussten wir noch nicht, dass das, was wir auf unseren Versammlungen taten, in heutiger Terminologie als Strategiediskussion bezeichnet werden würde. Und dennoch war jede Versammlung praktisch eine solche. Wir produzierten bereits Brot für unsere eigenen Bedürfnisse, bis die zündende Idee aufkam, die Produktion zu erhöhen und den Überschuss zu kommerzialisieren. Es war uns klar, dass viele Menschen – vielleicht aus Bedürfnis, vielleicht aus Mitleid – unser Brot kaufen würden. Da die Brotherstellung uns am vertrautesten war, fingen wir mit dem Brot als erster Handelsware an. Es folgte Konfitüren und das Obst, das wir übrig hatten.

Wir hatten schon damals eine ziemlich große Anpflanzung von Ölbäumen. Wir sammelten also die Palmnüsse, die nach einem Behandlungsprozess das Palminöl ergaben. Ein Teil wurde für den Eigenbedarf zurückgehalten, der Rest ging zum Markt; noch heute ist das so.

PaxHerbalssiteWir haben es auch geschafft, dank unserer Arbeit und unseres Engagements auf etwas professionellere Weise Geld zu verdienen, und zwar durch unser Altenheim, das wir in der ersten Phase unseres Hierseins aus reiner Menschenliebe betrieben hatten. Zur Zeit unterhalten wir mehrere Altenheime für Priester und Ordensleute, in denen feste Preise entsprechend den Leistungen erhoben werden. Daneben haben wir es fertig gebracht, dass das Theologiestudium einiger Mitbrüder durch entsprechende Veröffentlichungen auch als Einnahmequelle genutzt wurde.

Unser Kloster befindet sich inmitten eines Waldes. Weil so viele Pflanzen und Kräuter um uns herum wachsen, haben sich einige Mitbrüder auf die Kräuterkunde als Teil der afrikanischen Medizin spezialisiert und die Bedeutung der einzelnen Heilpflanzen erforscht.

Diese Arbeit begann mit ganz kleinen Ansätzen und kam nur ganz langsam voran. Heute jedoch hat sich daraus ein sehr einträgliches Unternehmen entwickelt, das mit seinen im ganzen Land angesiedelten Filialen bereits mehrere Millionen nairas eingebracht hat. Dieses Unternehmen umfasst Forschungsabteilungen für Botanik, Pharmazeutik und Mikrobiologie; es verfügt über ein wissenschaftliches Laboratorium, ein Bienenhaus, eine Fabrik zur Herstellung von Seife, eine Abteilung für die Behandlung und Konservierung von Pflanzen, ein Haus zur Herstellung von Flaschen und Behältern u.a.m.

paxherbalsEin Künstler weiß manchmal, wie er sein Talent zum Gelderwerb nutzen kann. So wird er auch Werke verfassen, die allein zum Verkauf bestimmt sind. Der Kerzenhersteller, der anfänglich nur Kerzen für unseren liturgischen Gebrauch produzierte, hat sich umgestellt und stellt heute in größem Umfang Kerzen für den Kerzenmarkt her. Alle diese Aktivitäten wurden auch vom allgemeinen Publikum begrüßt, besonders weil jedes Produkt die benediktinische Marke ,Pax‘ trägt.

Im gleichen Geist haben auch die für das Geflügel zuständigen Brüder verstanden, dass ihr Geflügel uns nicht nur erlauben soll, finanziell auszukommen, sondern auch wahre Rücklagen schaffen muss. Das Gleiche verstanden auch die Brüder, die in der Landwirtschaft arbeiten.

Heute führen wir in regelmäßigen Abständen Rentabilitätskontrollen in allen wirtschaftlichen Bereichen durch und erstellen Berichte zur wirtschaftlichen Lage eines jeden Zweiges. Dies ist die Gelegenheit, Einsicht in die Lage der verschiedenen Tätigkeitsfelder zu gewinnen. Die jeweils verantwortlichen Brüder können ihren Kommentar abgeben und Änderungsvorschläge machen. Wenn man sieht, dass eine gewisse Abteilung nicht den Erwartungen der Kommunität entspricht, oder wenn erwiesen ist, dass es in diesem Bereich ein Mangel an Fachkompetenz vorliegt, kann sich eine neue Aufgabenverteilung als sehr hilfreich erweisen.