Besuch in nordamerikanischen Klöster
August – September 2015

Abt Jean-Pierre Longeat OSB
Präsident der AIM

 

LongeatButlinIn der Zeit vom 24. August bis zum 11. September 2015 habe ich zusammen mit P. Mark Butlin auf Einladung der AIMUSA eine Reihe von Klöstern in den Vereinigten Staaten besucht, um eine bessere gegenseitige Kenntnis zu bekommen und zum Zweck von Neugründungen verstärkt auf unseren beiden Kontinenten zusammenzuarbeiten. Hier sind einige Eindrücke.

 

Abtei St. John’s, Collegeville

Am Beginn unserer Reise besuchten wir die Abtei St. John’s in Collegeville. Bei unserer Ankunft waren wir zunächst überwältigt von ihrer Größe. Sie umfasst heute etwa 140 Mönche und fast 2500 Studenten, von denen ein Teil noch Vorbereitungskurse besucht. Auch die Kirche ist riesig. Bis vor kurzem gab es hier bis zu 400 Mönche. Sie betreuten etwa 100 Pfarreien neben ihrer Unterrichtstätigkeit im Kloster. Inzwischen hat die Zahl der betreuten Pfarrgemeinden erheblich abgenommen, und es gibt nur noch etwa 15 Mönche, die Lehrtätigkeit verrichten. Das Offizium ist sehr gesammelt und erhebend, auch wenn seine Struktur kaum unserem gewohnten Schema entspricht.

Besuch im Kloster

Collegeville2Die Kirche ist ein eindrucksvoller moderner Bau in Sichtbeton. Sie wurde in den fünfziger Jahren von demselben Architekten errichtet, der auch das Haus der UNESCO in Paris gebaut hat: die gleiche Linienführung, die gleiche Feinheit und Harmonie der Strukturen. Anschließend sind wir in die vormalige Kirche gegangen, denn das Kloster St. John’s wurde von St. Vincent in Latrobe bereits im 19. Jahrhundert gegründet. Die Gebäude aus jener Zeit bestehen noch; die Kirche wurde allerdings inzwischen in einen Theater- oder Konzertsaal umgewandelt und ist heute Eigentum des College. Der Gästetrakt ist ganz neu. Er umfasst 32 Zimmer. Im Erdgeschoss befinden sich die Gemeinschaftsräume der Gäste: u.a. der Essraum, der zu einem See gelegen ist, mit zwei Angestellten für die Küche; eine kleine Bibliothek, verschiedene Sprechzimmer, einige geschmackvoll ausgestattete Versammlungsräume und ein nüchtern gehaltenes Oratorium.

Die gemeinsame Kloster- und Kollegbibliothek enthält auch eine außergewöhnliche Abteilung für Handschriften. Diese Abteilung trägt den Namen „Hill Museum and Manuscript Library“ und hat die Aufgabe, Manuskripte, die einer bedrohten Gemeinschaft irgendwo in der Welt gehören, aufzuspüren, zu identifizieren, zu nummerieren, zu katalogisieren und zu archivieren. Nachdem diese Abteilung Verbindungen zu 560 Bibliotheken und Archiven in der Welt hergestellt hat, hat sie auch 140.000 Manuskripte aus Europa, Afrika, dem Vorderen Orient und Indien durch Ablichtungen erhalten können. Heute wird an dauerhaft eingerichteten Stellen im Libanon, im Irak, in Jerusalem, Ägypten, Mali und auf Malta in diesem Sinn gearbeitet. Diese Stellen können bald im Internet konsultiert werden (www.hmml.org), in erster Linie wohl von Forschern, aber auch von Studenten, die sich mit der Arbeit an Handschriften vertraut machen wollen.

Alles das kostet natürlich sehr viel Geld. Aber großzügige Unterstützungen werden regelmäßig an das Kloster für diese außergewöhnlichen Leistungen überwiesen. Die zuständige Abteilung in der Klosterbibliothek ist personell und materiell hervorragend ausgestattet. Alle arbeiten hier an einer großen Sache in Schlichtheit und Demut. Der Leiter der Abteilung ist P. Columba Stewart.

Wir haben eine weitere Abteilung der Bibliothek besichtigt, in der Ausgaben von liturgischen Werken, Bibeln und Büchern spirituellen Inhalts hergestellt werden. Auch dies ist eine bedeutsame Tätigkeit, mit der etwa 40 Angestellte befasst sind. Die Abtei St. John‘s gibt neben anderen Herausgebern auch das Messbuch mit den offiziellen Texten der katholischen Liturgie in den Vereinigten Staaten heraus.

 

StBenedictFrauenkloster St. Benedict (St. Joseph)

Diese Benediktinerinnen bilden die zahlenmäßig größte benediktinische Kongregation in den Vereinigten Staaten. In den fünfziger Jahren gab es 1250 Schwestern, die in Schulen, Krankenanstalten und anderen öffentlichen Einrichtungen Unterricht erteilten bzw. Pastoraldienste leisteten. Die Schwestern dieser Kongregation sind auch heute noch an einigen Orten in den USA, in Japan, Taiwan, Puerto Rico und auf den Bahamas vertreten. In ihrer ganzen Geschichte haben sie künstlerische, intellektuelle oder spirituelle Arbeit verrichtet. So besitzen sie auch in St. Joseph eine Höhere Lehranstalt mit circa 2000 Schülern.

Ihre Zahl ist in der Zwischenzeit auf 240 Professen zurückgegangen. Das Durchschnittsalter der Gemeinschaft beträgt mehr als 70 Jahre. Mehrere Schwestern sind bereits pflegebedürftig.

 

Abtei Assumption (North Dacota)

AssumptionSieben Autostunden später erreichen wir Assumption Abbey am Rand der Stadt Richardton, wo wir anhalten. Die Gründung des Klosters geht auf das Jahr 1893 zurück, nachdem die Abtei Einsiedeln eine Niederlassung im Nordosten des Staates Arkansas gegründet hatte. Ein junger Postulant von Einsiedeln, P. Vincent Wehrle, träumte damals davon, sich missionarisch zu betätigen. Nach der Ablegung seiner Gelübde und seiner Priesterweihe wurde er daher nach Amerika zu der neuen Gründung geschickt, um dort verschiedene Klosteraufgaben zu übernehmen und pastorale Tätigkeiten im Dienst der Diözese Dakota zu verrichten; er tat dieses unter der Aufsicht des Generalvikars, des ehemaligen Abtes des Klosters St. Meinrad in Einsiedeln. Dieser beauftragte den jungen Mönch, ein Missionspriorat in der Diözese Jamestown zu gründen. Diese Diözese war gerade nach der Trennung des Staates Dakota in einen südlichen und einen nördlichen Teil entstanden. Der junge P. Vincent wurde nach Richardton geschickt, wo er ganz in der Nähe das Kloster St. Mary Assumpta gründete.

Heute umfasst das Kloster etwa 40 Mönche, von denen ein Großteil Aufgaben außerhalb des Klosters wahrnimmt. Früher hatte das Kloster wie die meisten Benediktinerklöster in Amerika auch ein Gymnasium, das bis in die sechziger Jahre fortbestand. Als es geschlossen wurde, meinten viele der Mönche, dass nun auch das Ende des Klosters gekommen sei. Doch nach vierzig Jahre kann man sagen, der Gemeinschaft geht es dennoch mit regelmäßigen Neuzugängen recht gut.

Es fehlt auch nicht an Aktivitäten: Vorträge, Empfang verschiedener Gruppen, etc. Der Klosterladen verkauft Bücher und verschiedene Artikel, daneben Wein aus eigener Produktion. Einige Mönche sind als Priester in Gemeinden oder als Anstaltsgeistliche tätig. Andere sind Universitätslehrer oder Seminarleiter. Mehrere arbeiten als Pastoralhelfer. Insgesamt sind 14 Mönche mit Aufgaben außerhalb des Klosters beschäftigt. Ein großes klostereigenes Gelände in der Nähe ist verpachtet.

Wir sind auch mit P. Terence Kardong, dem Schriftleiter der American Benedictine Review, zusammengetroffen, mit dem wir über seine Arbeit, die Aktualität der Zeitschrift und die Zukunft des Klosterlebens in der heutigen Zeit gesprochen haben. Er legte Wert darauf, dass die jungen Mönche die Grundlagen des Klosterlebens übernähmen. Daher habe er auch, wie er sagte, einen audiovisuell gestützten Klosterkurs verfasst, den Aspiranten online verfolgen könnten. Er bedauerte, dass nur wenige Kandidaten bis zum Ende durchhielten, und beklagte, dass die Lektüre von Büchern wegen zunehmender Konzentrationsschwäche zurückgehe.

Er sagte uns, er wünsche sich, dass die klösterlichen Werte zum Thema vertieften Studiums gemacht würden. Der Wert des Klosterschweigens zum Beispiel werde heute unterschätzt bei gleichzeitiger Überbetonung der Beziehungen zur eigenen Familie oder zu Freunden. Angesichts dieser Gegebenheiten sei eine gesunde Flucht aus der Welt kaum noch gefragt. Er vertrat ebenfalls die Ansicht, dass die Beziehungen zwischen den einzelnen Klöstern verstärkt werden müssten. Isolation sei eine echte Gefahr für ein Kloster, während allerorts die Kommunikation lautstark gepriesen werde.

Er fand die Arbeit der AIM sehr nützlich und hat uns mit Nachdruck aufgefordert, den Schwerpunkt unserer Bemühungen auf die Ausbildung der jungen Mönche zu legen. Die American Benedictine Review möchte gern zu einem Spiegel der Klosterstudien werden und freue sich über passende Beiträge aus aller Welt.

Die amerikanischen Klöster sind gezeichnet von ihren missionarischen Anfängen. Denn am Anfang der meisten von ihnen standen einzelne Mönche, die von Europa kamen, um die Bevölkerung der neuen Länder zu evangelisieren und dort lebende Einwanderer spirituell zu begleiten. Eine solche Perspektive legte natürlich Klostergründungen nahe. Der amerikanische Klostergeist weist noch heute eine stark pastorale Dimension auf, umso mehr als diese Dimension bereits sehr deutlich in den deutschen, schweizerischen und englischen Gründungsklöstern ausgeprägt war.

Die Einnahmen der amerikanischen Klöster sind meistens das Ergebnis der außerklösterlichen Aktivitäten der Mönche. Daneben gibt es in Amerika Stiftungen für mildtätige Zwecke, die ohne Schwierigkeiten – oftmals aus Überzeugung – Klöster unterstützen.

 

NMelleray1Trappistenabtei New Melleray

Nach unserer Rückkehr nach St. John haben wir uns zur Trappistenabtei New Melleray aufgemacht. Abt Mark Scott holte uns bereits am Flugplatz in Dubuque ab. Wir fuhren weiter zu seinem Kloster, das auf Bitten des Ortsbischofs von den Mönchen des Mount Melleray im Jahr 1849 gegründet worden war. Alle diese Namen erinnern natürlich an das große französische Kloster La Melleraye, das zuvor das Kloster Mount-Melleray und andere amerikanische Klöster gegründet hatte.

Eine neue Umgebung, eine neue Atmosphäre, eine neue Liturgie! Nach der Vesper nahmen wir ein schlichtes Abendessen mit dem Abt und dem Prior ein.

Am Tag nach unserer Ankunft führte uns Abt Mark zu einem ausführlichen Besuch durch sein Kloster. Wir besichtigten das Refektorium, die Küche, den Kapitelsaal, die Kirche, die Krankenstation und die Zellen. Das Bemerkenswerteste an alledem war die Werkstatt, die der Gemeinschaft gesunde Einkünfte verschafft. Denn auf sehr originelle Weise haben diese Mönche eine Fabrik zur Herstellung von Särgen entwickelt, die zu einem blühenden Erfolg geworden ist. Das Kloster verfügt über große Gebäude, in denen die Särge hergestellt und gelagert werden. Das Unternehmen steht unter der Leitung eines Laien und gibt zusätzlich zu sechs Mönchen noch weiteren 15 Angestellten Arbeit. Alle einzelnen Produktionsabschnitte finden im Kloster selbst statt. Bei der Übergabe an die Familie des Toten wird jeder Sarg gesegnet.

Die Ländereien des Klosters sind heute zwar verpachtet, doch besorgen die Mönche die Arbeit weiterhin selber.

 

MississipiTrappistinnenabtei Notre-Dame von Mississippi

Heute besuchen wir die benachbarte Abtei der Trappistinnen Notre-Dame, benannt nach dem nahen gleichnamigen Fluss. Der Empfang in diesem Kloster mit ungefähr 15 Schwestern war besonders herzlich. Gleich nach unserer Ankunft haben wir an der Non teilgenommen, anschließend führten wir mit der amtierenden Äbtissin und der ehemaligen Äbtissin ein langes Gespräch. Wir besichtigten auch die Innenräume des Klosters, das auf dem Fundament eines Familienhauses errichtet und in der Folge erweitert wurde. Die Schwestern haben aus dem Refektorium einen herrlichen Ausblick in die Natur. Die Bibliothek erwies sich auf dem neuesten Stand. Wir besichtigten weiter den Gästetrakt sowie die Werkstatt, in der die Schwestern ihre wesentliche Arbeit, die Herstellung von Karamellbonbons betreiben.

Alle diese Besuche dienen letztlich dem Ziel, die Kontakte zwischen uns und den amerikanischen Klöstern zu vertiefen.

 

Abtei Conception (Missouri)

Wir fahren aus der Abtei New Melleray gegen 5 Uhr morgens ab, nehmen das Flugzeug in Dubuque, um uns via Chicago nach Kansas City zu begeben und von da Conception Abbey zu erreichen. Wir treffen dort um 11.45 Uhr ein, rechtzeitig zum Beginn der Messe. Die Kirche ist ein schönes Ganzes, die Wandmalereien sind im Beuroner Stil gehalten. Alles ist hier bis ins kleinste Detail vollendet.
Abt Gregory Polan führte uns nach der Messe ins Refektorium. Die Mahlzeiten sind ebenso rituell gestaltet wie die Liturgie. Es fehlt absolut an nichts, alles ist perfekt.

ConceptionDie Abtei von der Empfängnis Mariens wurde am 8. Dezember 1877 von den schweizerischen Mönchen der Abtei Engelberg auf Bitte des hiesigen Ortsbischofs gegründet. Ihr spezieller Auftrag war die spirituelle Begleitung der zahlreichen deutschen und irischen Siedler, die sich nach dem Jahr 1858 in dieser Region niedergelassen hatten. Die Mönche öffneten im Jahr 1886 auch das Gymnasium ,New Engelberg‘ für den Sekundarunterricht von Jungen. Diese allen zugängliche Schule wurde im Jahr 1942 jedoch in ein Priesterseminar mit vorausgehender Privatschule umgewandelt. Heute gibt es nur noch das Priesterseminar, das einige Hundert Seminaristen aus den zwanzig Diözesen dieser Region der Vereinigten Staaten aufnimmt. In diesem Kloster gibt es auch einen sehr großen Gästetrakt.

Die Gebäude des heutigen Seminars sind sehr beeindruckend. Etwa zwanzig Mönche arbeiten hier in verschiedenen Funktionen, ein Teil von ihnen widmet sich der Ausbildung der Seminaristen. Es gibt natürlich auch katholische Priester und Laien in dieser Funktion.

Die riesige Bibliothek wird zugleich von dem Seminar und dem Kloster benutzt. Ebenfalls gemeinsam sind die Klosterpforte und die Verwaltungsgebäude.

Diese Aktivitäten müssen umso mehr überraschen, als die Gemeinschaft das Hauptgewicht auf das Gebet und die Betrachtung legt. Das Schweigen wird innerhalb des Klosters streng eingehalten. Für uns Europäer war die Verbindung zwischen Klosterleben und diözesanen Aufgaben zugleich interessant und überraschend. Man muss dabei aber bedenken, dass es oft bei den Kandidaten ein Hin und Her zwischen dem Priesteramt und dem Mönchsdasein gibt. Einige Seminaristen möchten sich nach einer gewissen Zeit mehr dem Klosterleben zuwenden, andere zieht es mehr in den seelsorglichen Dienst der Diözesen.

Wir besuchten auch die Krankenstation, in der wir die gleiche Professionalität wie überall im Kloster vorgefunden haben.

Die Gemeinschaft hat einen Landbesitz von etwa 1000 Hektar rund um das Kloster herum. Dieses Gebiet wird nicht bewirtschaftet. Ein Teil davon ist verpachtet, ein anderer ist Waldbestand.

 

Die Benediktinerinnen von Clyde

ClydeHeute sind wir in dem benachbarten Kloster der Benediktinerinnen von Clyde. Ihre Kongregation nennt sich ,Schwestern von der ewigen Anbetung‘. Dieses Kloster wurde mit gleichem Ziel gegründet wie das Nachbarkloster: zur spirituellen Versorgung der zahlreichen Einwanderer deutscher oder irischer Herkunft. Die Schwestern eröffneten eine Elementarschule und ein Waisenhaus und entwickelten auch Aktivitäten in der Landwirtschaft. – Heute stellen sie nur noch liturgische Gewänder und Hostien her und produzieren selber einige Lebensmittel. Dabei bleibt ihre wesentliche Tätigkeit das Gebet, vor allem ewige Anbetung vor dem Allerheiligsten.

Diese Kongregation der Schwestern von der ewigen Anbetung war zahlenmäßig einst sehr stark: bis zu 400 Schwestern. Heute zählt sie nur noch etwa 140 Schwestern, meistens recht betagte, doch sehr vitale Schwestern. Eine von ihnen, Sr. Mary Tharsilla Noser, war am Aufbau des amerikanischen Zweigs der AIM beteiligt. Im AIM-Bulletin 71, 2001, S. 103-106 kann man das Wichtigste über ihr Leben und ihre Leistungen nachlesen, ebenso die Dankesworte der Patres Mayeul de Dreuille und Marie-Bernard de Soos an diese tüchtige und selbstlose Schwester.

Die Kirche ist ein beeindruckendes Beispiel für die deutsche Beuroner Malerei, besonders im Hinblick auf die Fresken, die fast sämtliche Wände schmücken. Wir waren überrascht von der großen Anzahl der Chorstallen, welche beinahe den ganzen Kirchenraum ausfüllen, obwohl die Zahl der chorfähigen Schwestern nur noch ca. 40 beträgt.

Das klostereigene Gelände um die Gebäude herum umfasst etwa 500 Hektar.

 

Abtei St. Benedict in Atchinson

AtchisonHo2Wir fahren im Auto weiter zu der Abtei Atchison, die etwa zwei Stunden von der Abtei von der Unbeleckten Empfängnis entfernt liegt.

Bei unserer Ankunft sind wir beeindruckt von der Größe der Abtei und des Geländes. Auch hier unterhält das Kloster ein Gymnasium mit ca. 2000 Schülern. Die Gebäude, vornehmlich in Backstein errichtet, erstrecken sich über eine Fläche von mehreren Hektar. Überall trifft man auf Schüler, die einen recht zufriedenen Eindruck machen. Der Campus und die Abtei befinden sich am Rand der Stadt.

Zu der Gemeinschaft gehören 45 Mönche, von denen jedoch nur etwa 30 im Kloster selbst leben. Einige von letzteren befinden sich allerdings in der Krankenstation. Die externen 15 Mönche verrichten diverse pastorale Aufgaben außerhalb des Klosters. Das Gymnasium (High school) ist Eigentum des Klosters.

Wir betreten die Kirche am Ende des Nachmittags, um an der Eucharistiefeier teilzunehmen, und sind beeindruckt von der großen Anzahl Jugendlicher in der Kirche. Dies sind Schüler der High School, die ihren Glauben auch im Alltag leben möchten und daher regelmäßig an der Liturgie der Mönche, einschließlich der Vigil um 6 Uhr, teilnehmen. Sie sind zahlenmäßig etwa fünfzig, alle wirken gesammelt und fromm.

In der amerikanischen Gesellschaft nimmt die Religion einen deutlich sichtbaren Platz ein. Die Kirche und die Klöster leiden zwar ebenfalls unter Berufungsmangel, doch ist der Bezug zur Religion im gesellschaftlichen Leben immer noch eindeutig. Dies ist ein markanter kultureller Unterschied zwischen Nordamerika und Europa.

 

AtchisonFeKloster St. Scholastika

Am folgenden Morgen zeigte uns Abt James R. Albers die Stadt Atchinson und führte uns zu dem benachbarten Kloster St. Scholastika. Dieses Kloster wurde vor 151 Jahren auf Bitten der benachbarten Benediktiner von schweizerischen Schwestern gegründet, um dort eine Mädchenschule zu errichten. Daneben arbeiteten die Schwestern auch in der Gemeinde, in Krankenhäusern und Altenheimen.

Am Ende des 19. und während des 20. Jahrhunderts gab es sehr viele Aktivitäten in dieser Gründung. Die Gemeinschaft bestand früher aus bis zu 500 Schwestern. Im Jahr 1970 schlossen sie sich mit den Mönchen zusammen, um nur noch ein einziges Schulzentrum in Atchinson zu bilden; ihre eigenen Gebäude wurden zu einem Heim für betagte Schwestern und Mönche sowie für Gäste umgebaut.

Auch heute noch sind die Schwestern im Schulhaus und in den Pfarreien tätig. Ihre Zahl ist in der Zwischenzeit auf 150 zurück-gegangen. Dennoch leben sie weiter in der Bereitschaft, den Willen Gottes zu erkennen und zu tun.

 

Abtei St. Meinrad

StMeinradAm nächsten Morgen fahren wir zurück zum Flugplatz von Kansas City, um wieder via Chicago nach Louisville zurückzufahren und dort die Abtei St. Meinrad aufzusuchen. Diese gehört – wie auch Conception Abbey – zur Schweizerisch-Amerikanischen Kongregation.

Kloster St. Meinrad wurde im Jahr 1854 von Mönchen der Abtei Einsiedeln gegründet, wiederum zur spirituellen Begleitung der katholischen Siedler deutscher Herkunft, die in dieser Gegend stark vertreten waren. Die neue Gemeinschaft blühte auf, und die 90 Mönche, die im 20. Jahrhundert dort lebten, errichteten ein Priesterseminar, eine theologische Fakultät, gaben Bücher heraus und und eröffneten – vielleicht nach dem Vorbild von New Melleray – ab dem Jahr 1999 Werkstätten zur Sargherstellung. Weiter gibt es einen Gästetrakt mit ganzjährigem Programm. Heute bildet das Seminar Priester, ständige Diakone und Pastoralhelfer aus.

Die Gemeinschaft besteht heute aus 45 Mönche, von denen 12 außerhalb des Klosters tätig sind. Sie hat auch einige Postulanten und Novizen und verschiedene junge Professen, die das Altersgefälle etwas ausgleichen. Es gibt natürlich eine Anzahl älterer Mönche, die Hilfen unterschiedlicher Art bei der Liturgie und im Alltag benötigen. Ebenso leben dort noch vier emeritierte Äbte.

 

StFerdinandFrauenkloster St. Benedict in Ferdinand (Indiana)

Wir begeben uns weiter in die nahe gelegene Stadt Ferdinand zu den dortigen Benediktinerinnen und finden dort fast die gleichen Verhältnisse wie in anderen Häusern dieser Art vor: riesige Gebäude auf weit ausladendem Gelände für sehr großen Gemeinschaften, die in der Vergangenheit mehrere hundert Schwestern zählten und heute auf etwa ein Drittel geschrumpft sind. Doch bleiben sie hier wie auch anderenorts immer noch zahlreich! Wir besichtigen das Haus der Benediktinerinnen, bewundern ihre Kirche, feiern das Offizium der Vesper mit ihnen und speisen mit ihnen im Refektorium. Dies bietet Gelegenheit zu besserem gegenseitigem Kennenlernen.

 

Abtei Gethsemane

Wir fahren anschließend zur Trappistenabtei Gethsemane, die vor allem bekannt ist, weil P. Louis, alias Thomas Merton, dort gelebt hat. Die Gemeinschaft wurde im Jahr 1848 von der französischen Abtei Melleray gegründet. Eine kleine Gruppe von etwa 20 Mönchen, von dem Bischof von Louisville gerufen, ließ sich an dieser Stelle nieder. Das Kloster blühte schnell auf und hatte mehrere bemerkenswerte Äbte und Mönche. In der Mitte des 20. Jahrhunderts zählte es 140 Mitglieder und war damit die größte männliche Gemeinschaft des ganzen Ordens. Deshalb streute sie auch aus nach Conyers (Georgia), Ogden Valley (Utah), später nach South Carolina, zum Staat New York („Our Lady of Genesee“) und schließlich bis nach Chile (Dahesa in der Nähe von Santiago). In der Zeit von 1943 bis 1966 wurden insgesamt sechs Neugründungen vollzogen.

GethsemaniDie ganz in Backstein ausgeführten Außenwände wurden in den letzten Jahren renoviert. Vierzig Mönche, darunter einige jüngere, leben hier. Die finanzielle Grundlage stammt vor allem aus der Herstellung von Käse und den bekannten fruitcakes, eine Art trockenen Fruchtplätzchen. Die Abtei nimmt regelmäßig Gäste auf und betreibt ein Informationszentrum, in dem das Klosterleben visuell und akustisch dargestellt wird.

Am Nachmittag führte der Prior uns durch das Haus. Am Ende des Nachmittags wurden wir eingeladen, uns in die Werkstätten zu begeben, wo ein Segen anlässlich des staatlichen Tags der Arbeit erteilt wurde. Diese Segensfeier, gefolgt von einer Prozession durch alle Werkstätten und anschließendem Festessen, ersetzte die übliche Vesper.

Am nächsten Morgen wurden wir zu der kleinen Einsiedelei von Thomas Merton geführt – für uns mit einem erfürchtigen Gefühl verbunden. Dann spazierten wir durch die weiten Felder, die zum Klosters gehören, aber inzwischen verpachtet sind. Wir gingen durch hohes Gras, in dem andere kleine Einsiedeleien versteckt sind. Die Gesamtfläche des klostereigenen Areals beträgt etwa 1000 Hektar.

 

Abtei Marmion

MarmionDie letzte Etappe auf unserer Rundreise war die Abtei Marmion bei Chicago. Diese Abtei ist eine Gründung von St. Meinrad aus dem im Jahr 1943. Wir betreten den riesigen Campus. Das heutige Kloster besteht zum Teil noch aus den ursprünglichen Gebäuden aus den fünfziger Jahren mit späteren Erweiterungen in den neunziger Jahren. Alles ist funktional ausgeführt und in gutem Zustand. Die Kirche ist besonders harmonisch gestaltet. Die Gemeinschaft von etwa 30 Mönchen gehört zur Schweizerisch-amerikanischen Kongregation. Sie befasst sich vornehmlich mit Lehraufgaben, übernimmt gleichzeitig auch Pastoralaufgaben in den umliegenden Pfarreien. Sie pflanzen und verkaufen Christbäume, was sich als durchaus einträgliches Geschäft erwiesen hat. Ihre Gottesdienste sind nüchtern, aber schön.

In allen diesen Klöstern haben wir den Gemeinschaften bzw. den Oberen auch die Ziele und Handlungsweisen der AIM erläutern können. Wir haben viel Zeit darauf verwandt, um mit den Verantwortlichen gewisse Punkte zu klären oder zu vertiefen, so dass wir für die Zukunft auf eine bessere Zusammenarbeit zwischen der europäischen AIM und ihrem amerikanischen Gegenstück hoffen dürfen. Es ist vielleicht entscheidend für die Zukunft des gesamten Klosterlebens, dass die Gemeinschaften diesseits und jenseits des Atlantiks eine bessere Kenntnis voneinander bekommen. Die Unterschiede sind sicherlich groß, die Lebensbedingungen unterschiedlich und die Lebensform anders geprägt. Doch ist der benediktinische Familiengeist überall der gleiche. Alle Klöster Europas und der USA verkünden dasselbe Evangelium im gleichen monastischen Geist. Sie alle sind dazu aufgerufen, die Gründungen auf anderen Kontinenten zu unterstützen.